Hygiene in Zeiten von Corona

Das Onlineportal von Dr. Schumacher richtet sich an Hygieneverantwortliche und Fachpersonal in Gesundheitseinrichtungen. Die aktuellen Beiträge aus Forschung und Praxis sollen während der COVID-19-Pandemie fachlich fundiert informieren und dabei unterstützen, Maßnahmen zur Hygiene und Infektionsprävention besser umzusetzen.

FAQ

Müssen Flächendesinfektionsmittel für den Einsatz bei COVID-19 bestimmte Wirkstoffkonzentrationen enthalten?

Nein. Entscheidend für die sichere Inaktivierung von behüllten Viren wie SARS-CoV-2 ist eine nachgewiesene "begrenzt viruzide" Wirksamkeit. Der Nachweis auf Basis von Prüfmethoden nach der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) oder der EN 14476 bzw. der EN 16 777 (bei Produkten ohne Mechanik/Sprühdesinfektion) belegt, dass diese Flächendesinfektionsmittel unter den geprüften Standardbedingungen die Viren um mindestens 4 log-10-Stufen reduzieren. Dabei bleiben von 1 Million Viruspartikeln noch maximal 100 übrig. Auch das Robert Koch-Institut empfiehlt den Einsatz von begrenzt viruziden Produkten bei COVID-19.

Die erforderliche Wirksamkeit erreichen alle entsprechend gekennzeichneten verkehrsfähigen Produkte. Die Rezepturen und Wirkstoffgemische können dabei sehr unterschiedlich sein und auch unterschiedliche Wirkstoffkonzentrationen enthalten.

Wenn statt verkehrsfähiger Produkte reine Wirkstoff-Lösungen in den Einsatz gelangen, wurden bestimmte Konzentrationen als notwendig ermittelt. Das zeigt ein Review, das 22 Studien auswertete. In diesen Studien waren überwiegend reine Wirkstoffe in wässriger Lösung und keine verkehrsfähigen Produkte zum Einsatz gekommen. Bei den in den untersuchten Studien genannten Alkoholen waren keine mit niedrigerem oder mittlerem Wirkstoffgehalt vertreten, sodass über deren Wirksamkeit gegenüber Coronaviren keine Aussage gemacht werden konnte. Vor diesem Hintergrund kam das deutsche Forscherteam zu dem Ergebnis, dass beim Einsatz reiner Wirkstoff-Lösungen folgende Konzentrationen eingesetzt werden müssen, um innerhalb einer Minute Coronaviren zu inaktivieren: Ethanol: 62-71 %, Wasserstoffperoxid: 0,5 % oder Natriumhypochlorit 0,1 %. Andere Wirkstoffe wie 0,05-0,2 % Benzalkoniumchlorid oder 0,02 % Chlorhexidindigluconat waren in den Studien weniger wirksam.

Fazit: Das Studienreview erlaubt keinen Rückschluss auf am Markt befindliche Produkte: Im Markt erhältliche Desinfektionsmittel sind häufig deutlich komplexer formuliert als reine Wirkstofflösungen in Wasser und sind auf die jeweiligen Anwendungsbedingungen optimiert. In bestimmten Rezepturen können z. B. auch geringe Mengen von Benzalkoniumchlorid enthalten sein und das Produkt ist dennoch aufgrund der gesamten Formulierung wirksam. Entscheidend für die Eignung eines verkehrsfähigen Flächendesinfektionsmittels zur Inaktivierung von SARS-CoV-2 ist daher nicht ein vorgegebener Wirkstoffgehalt, sondern immer der durch aktuelle Prüfmethoden und Normen dokumentierte Nachweis der begrenzten Viruzidie.

Quellen:

Empfehlungen des RKI zu Hygienemaßnahmen im Rahmen der Behandlung und Pflege von Patienten mit einer Infektion durch SARS-CoV-2. Stand 1.4.2020. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Hygiene.html (Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Kampf G, Todt D, Pfaender S, Steinmann E: Persistence of coronaviruses on inanimate surfaces and its inactivation with biocidal agents. J Hosp Infect 104 (2020) pp 246-251. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195670120300463?via%3Dihub (Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Was ist bei Einsatz und Aufbereitung von Medizinprodukten mit direktem Kontakt zum COVID-19-Patienten zu beachten?

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt alle Medizinprodukte, wie z. B. Stethoskope oder Elektroden, mit direktem Kontakt zu COVID-19-Patienten immer patientenbezogen einzusetzen.

Nach der Nutzung sind die Medizinprodukte zu desinfizieren. Beim Transport sollte darauf geachtet werden, dass die Transportbehältnisse geschlossen und außen desinfiziert sind. Zur Aufbereitung der Medizinprodukte sind bevorzugt thermische Desinfektionsverfahren anzuwenden. So bieten die thermischen Verfahren in Reinigungs- und Desinfektionsgeräten laut RKI eine zuverlässigere Wirksamkeit, wie z. B. eine geringere Beeinträchtigung durch Restverschmutzungen.

Falls thermische Verfahren nicht möglich sind, empfiehlt das RKI den Einsatz von Desinfektionsmitteln mit nachweislich mindestens begrenzt viruzider Wirksamkeit.

Quellen:

Robert Koch-Institut, Empfehlungen des RKI zu Hygienemaßnahmen im Rahmen der Behandlung und Pflege von Patienten mit einer Infektion durch SARS-CoV-2, Stand 01.04.2020.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Hygiene.html ( Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Robert Koch-Institut, Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten, 1. Oktober 2012.
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Kommission/Downloads/Medprod_Rili_2012.html (Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Wie können Wäsche und Textilien von COVID-19-Patienten sicher aufbereitet werden?

Wäsche und Textilien von COVID-19-Patienten können nach den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts mit einem desinfizierenden Wäschedesinfektionsverfahren gemäß RKI-Liste sicher aufbereitet werden.
In der Liste sind die unterschiedlichen Verfahren und Wirkstoffe beschrieben wie beispielsweise die erforderlichen Konzentrationen von Desinfektions- und Waschmitteln sowie Flottenverhältnis, Temperatur und Einwirkzeit. Zu beachten ist, dass die dafür eingesetzten Waschmaschinen die geforderten Parameter auch einhalten können. Das setzt voraus, dass die Waschmaschinen gemäß der Bedienungsanweisung betrieben, regelmäßig gewartet und auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden.
Als Taschentücher sollten bei COVID-19-Patienten Einwegtücher verwendet werden. In Bezug auf Betten und Matratzen werden wischdesinfizierbare Überzüge empfohlen.

Quellen:
RKI. Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren. Stand: 31. Oktober 2017 (17. Ausgabe). https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Desinfektionsmittel/Downloads/BGBl_60_2017_Desinfektionsmittelliste.pdf (Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Empfehlungen des RKI zu Hygienemaßnahmen im Rahmen der Behandlung und Pflege von Patienten mit einer Infektion durch SARS-CoV 2.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Hygiene.html (Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Welche Kriterien sind bei Besuchsregelungen während COVID-19 in Alten- und Pflegeeinrichtungen zu beachten?

Grundsätzlich gilt: Ob und unter welchen Bedingungen eine Einrichtung Besuche zulässt, entscheidet die Einrichtung abhängig von der lokalen Situation, ggf. in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt.

Folgende Aspekte sind dabei generell zu berücksichtigen:

  • Soziale Kontakte sollten nicht über persönliche Besuche, sondern möglichst über Telekommunikation, wie z. B. Telefon, wahrgenommen werden.
  • Personen, die Anzeichen einer Erkältung zeigen, sollten der Einrichtung fernbleiben. Gleiches gilt für Kontaktpersonen von COVID-19-Infizierten.
  • Lässt eine Einrichtung Besuche zu, muss jeder Besuch registriert werden (Besuchername, Besuchsdatum, Name des besuchten Bewohners). Zudem sollte der Besuch zeitlich auf ein Minimum begrenzt sein und die Besucher über die erforderlichen Schutzmaßnahmen informiert werden. Dazu gehören die Einhaltung eines Mindestabstands von 1,5 bis 2 Metern zum Bewohner, das Tragen von Schutzkittel und Mund-Nasen-Schutz sowie das Desinfizieren der Hände beim Verlassend des Bewohnerzimmers.

Quelle:
Robert Koch-Institut, Prävention und Management von COVID-19 in Alten- und Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen, Empfehlungen für Alten- und Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen sowie für den öffentlichen Gesundheitsdienst, Stand: 14.04.2020. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Alten_Pflegeeinrichtung_Empfehlung.pdf?__blob=publicationFile

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