Praxisbeispiele

Erfahrungen, Tipps und Best-Practice-Beispiele in der Corona-Zeit: Hygieneexperten berichten von ihrer täglichen Arbeit in Gesundheitseinrichtungen.

Aufbereitung von AtemschutzmaskenEinsatz ohne Personalisierung

03.05.2020 Praxisbeispiele // Aufbereitung Masken

Einsatz ohne Personalisierung

Die Helios-Kliniken haben gemeinsam mit Experten aus Medizintechnik und Hygiene ein sicheres Verfahren zur Wiederaufbereitung von FFP-2- und FFP-3-Masken entwickelt. Die Aufbereitungsmethode geht nach eigenen Angaben über die vom Robert Koch-Institut (RKI) vorgegebene Sicherheitsstufe hinaus und ermöglicht einen erneuten Einsatz ohne Personalisierung.

Noch immer klagen Kliniken und andere Gesundheitseinrichtungen über Engpässe bei der Persönlichen Schutzausrüstung ihrer Mitarbeiter – insbesondere mangelt es an hochwertigen FFP2-Masken und FFP3-Masken. Die aktuell diskutierten Methoden zur Wiederaufbereitung werden entweder als nicht sicher genug beurteilt oder erfordern eine Personalisierung der Masken bevor diese wieder in den Einsatz gelangen – eine Auflage, die von den meisten Gesundheitseinrichtungen technisch und logistisch nicht zu leisten ist.

Jetzt haben die Helios-Kliniken gemeinsam mit Experten aus Medizintechnik und Hygiene ein Wiederaufbereitungsverfahren entwickelt, das eine Wiederverwendung ohne Personalisierung erlaubt und dennoch einen hohen Sicherheitsstandard gewährleistet. Das Verfahren wurde online gestellt um auch anderen Gesundheitseinrichtungen zu einer sicheren und gleichzeitig praktikablen Aufbereitung von Atemschutzmasken zu verhelfen.

Das Verfahren besteht aus mehreren Schritten:

  • Trocknung der Masken gemäß RKI-Empfehlung für 35 Minuten bei 70 Grad im RDG
  • Aufbereitung in Umluft-Konvektoren bei 70-75 Grad über insgesamt neun Stunden

Beide Verfahren zusammen erreichen einen Aufbereitungswert, der dem Wert A0 von 3000 entspricht. Ein so hoher A0-Wert umfasst auch die sichere Inaktivierung thermostabiler Viren. Bei dem vom RKI beschriebenen Verfahren wird nur ein A0-Wert von 60 erreicht.

Die Experten von Helios konnten nachweisen, dass SARS-Cov-2 sowie andere Krankheitserreger mit dem Verfahren sicher inaktiviert werden. Damit wurde die Voraussetzung dafür geschaffen, dass die FFP2-Masken und FFP3-Masken nicht mehr personalisiert in den Wiedereinsatz kommen müssen.

Abbildung: Helios Kliniken GmbH

Schritt 1: Sammlung

Sammlung der zum Schutz vor Covid-19 verwendeten Masken, Aussortirung und Entsorgung optisch beschädigter oder verschmutzter Masken. Masken die in Zusammenhang mit TBC (Tuberkulose-Patienten) getragen wurden, werden direkt vernichtet*.

Schritt 2: Transport in die ZSVA/AEMP

Transport der Masken in geeigneten Behältnissen (analog benutztem Instrumentarium) in die Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) bzw. in die Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte (AEMP).

Schritt 3: Qualitätskontrolle

Erneute Überprüfung der Masken auf Verunreinigungen und Beschädigungen.

Schritt 4: Thermische Aufbereitung

Vorbehandlung der Masken analog RKI- Empfehlung: Trocknung/Erwärmung in vorhandenen RDGs (Reinigungs- und Desinfektionsgeräten) auf mindestens 65 Grad mit einer Haltezeit von 35 Minuten. Die Gesamt-Prozesszeit liegt bei knapp einer Stunde und berücksichtigt die notwendige Aufheizzeit der Maschinen**.

Schritt 5: Verpacken

Nach erneuter optischer Kontrolle in der ZSVA werden die Masken anschließend einlagig in Sterilvlies eingeschlagen und in Kartons verpackt. Diese Kartons werden dann in eine weitere zentrale ZSVA verbracht, in der ausschließlich der nachfolgende Verfahrensschritt 6 umgesetzt wird.

Schritt 6: Thermische Behandlung

Die Masken werden bei 70°C über eine Haltezeit von 9 Std. in Umluftöfen wärmebehandelt (A0 Wert größer 3000).

Schritt 7: Qualitätsmanagement

Durchführung eines umfassenden QM Systems: Entnahme von Proben aus jeder Charge, die mikrobiologisch, strukturell und bezüglich der Filterwirkung geprüft werden. Erst dann erfolgt die Freigabe der Masken.

Schritt 8: Einlagerung

Untersuchungen zur Sicherheit des Verfahrens

Das Experten-Team um Helios führte an Masken verschiedener, etablierter Hersteller mehrstufige umfassende mikrobiologische und strukturelle Untersuchungen mit Verfahren der Röntgen-Mikrotomographie (Mikro-CT) sowie nachgelagertem Test zum Partikelrückhaltevermögen (in Anlehnung an den FIT-Test) durch.

Der Prozess der „thermischen Desinfektion“ inaktiviert alle vegetativen Mikroorganismen und somit auch SARS-CoV-2 in den Masken. Das Vorgehen entspricht der DIN 149, die für neue Masken eine Material- und Formbeständigkeit bei einer Dauerprüfung mit 70°C über 24 Stunden fordert. Die Experten sehen bei ihrer thermischen Aufbereitung daher keine Veränderung der Masken. Dauerversuche sind Helios zufolge bereits initiiert.

Helios geht nach derzeitigem Stand davon aus, dass die Masken durch den mehrmaligen Gebrauch ihre Struktur verlieren oder beschädigt werden. Dies wird als limitierender Faktor einer Mehrfachwiederaufbereitung bewertet. Die Filterfunktion und die mikrobiologische Integrität der Aufbereitung werden dagegen derzeit als wenig problematisch eingeschätzt.


Weitere Informationen:

Helios-Gesundheit
https://www.helios-gesundheit.de/unternehmen/aktuelles/pressemitteilungen/


* Helios geht zwar davon aus das durch die nachgelagerten Prozesse auch eine sichere Eliminierung von Tuberkulose-Bakterien erfolgt, aber der mikrobiologische Nachweis dazu im Labor macht eine Kultivierungszeit von ca. sechs Wochen erforderlich. Dieser Zeitraum zur Nachweisführung stand derzeit noch nicht zur Verfügung, weshalb man sich zu dieser Vorgehensweise entschloss.

** Hierzu wurde mit den Herstellern der RDG spezielle Temperatur-Halte-Programme im Umluft- Verfahren abgestimmt und in den Anlagen programmiert.

Experten-Hotline*: <br> Desinfektion und Hygiene<br> bei SARS-CoV-2​ Tel.: +49 5664 9496-6060

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Desinfektion und Hygiene
bei SARS-CoV-2​
Tel.: +49 5664 9496-6060
*In Zusammenarbeit mit unserem Tochterunternehmen EQmed

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