Hygienemanagement

Für mehr Sicherheit von Patienten und Personal: Praktische, evidenzbasierte Empfehlungen für den Infektionsschutz bei SARS-CoV-2 und COVID-19.

20.04.2020
Handschuhdesinfektion

Wenn nicht jetzt, wann dann?

20.04.2020Hygienemanagement // Personalschutz

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Studien belegen: Die Desinfektion von Handschuhen kann bei bestimmten Indikationen nosokomiale Infektionen reduzieren. Warum das einstige Tabu gerade in Zeiten von COVID-19 dem Personal- und Patientenschutz zugute kommt lesen Sie in unserem Beitrag.

Wie andere Produkte zur Infektionsprävention sind auch medizinische Einmalhandschuhe in der aktuellen Corona-Pandemie eine knappe Ressource. Als Teil der Persönlichen Schutzausrüstung werden Einmalhandschuhe derzeit insbesondere bei direktem Kontakt mit einem wahrscheinlichen oder bestätigten COVID-19-Fall getragen. Bei der Routineversorgung sind die Indikationen für das Tragen von Einmalhandschuhen auf wenige Situationen beschränkt:

  • Bei vorhersehbarem oder wahrscheinlichem Kontakt mit Körperausscheidungen, Sekreten und Exkreten einschließlich Krankheitserregern
  • In bestimmten Ausbruchsituationen
  • Bei der Behandlung von bestimmten isolierten Patienten

Aus den Indikationen geht bereits hervor, dass medizinisches und pflegerisches Personal in der gegenwärtigen Corona-Pandemie bei der Patientenversorgung häufig auf das Tragen von Einweghandschuhen angewiesen ist. Werden mehrere Tätigkeiten am gleichen Patienten durchgeführt können dabei Händedesinfektionen nach den 5 Momenten des WHO-Modells erforderlich sein z. B. vor aseptischen Tätigkeiten. Die Mitarbeiter müssen in diesen Fällen die Handschuhe ausziehen, verwerfen, eine Händedesinfektion durchführen und anschließend u. U. sogar wieder neue Handschuhe anziehen.

Beobachtungsstudien zum Tragen von Einweghandschuhen in der Routineversorgung von Patienten zeigen: Tragen Mitarbeiter Einmalhandschuhe werden die Indikationen für eine Händedesinfektion nur in sehr geringem Maße befolgt.

Statt indizierter Händedesinfektionen werden die gleichen – möglicherweise kontaminierten – Handschuhe durchgängig bei mehreren Tätigkeiten am gleichen Patienten getragen – ein hohes Risiko für die Übertragung von Krankheitserregern. So belegen Studien einen Zusammenhang zwischen dem Tragen von Handschuhen, einer mangelhaften Händehygiene insbesondere bei aseptischen Tätigkeiten und einem Anstieg nosokomialer Infektionen wie Sepsis Harnwegsentzündungen und beatmungsassoziierten Pneumonien.

Die Alternative: Gezielte Handschuhdesinfektion bei Tätigkeiten am selben Patienten

Angesichts der schlechten Händehygiene-Compliance beim Handschuhtragen, den aktuell knappen Ressourcen und dem Zeitaufwand für den Handschuhwechsel mit anschließender Händedesinfektion bietet die gezielte Handschuhdesinfektion eine gute Alternative. Die indizierten Händedesinfektionen erfolgen dabei nicht auf der bloßen Hand sondern auf dem Handschuhpaar, das während der Versorgung an einem Patienten getragen wird. Infektionsschutzexperten zufolge kann der Patientenschutz von diesem Verfahren deutlich profitieren. Die Voraussetzungen: Die Handschuhe sollten sichtbar sauber sein und keine sichtbaren Perforationen aufweisen. Nach Ablegen der Handschuhe und vor Verlassen des Zimmers erfolgt eine Händedesinfektion.

Aus Sicht des Patientenschutzes ist eine gezielte Handschuhdesinfektion in folgenden drei Momenten für eine Händedesinfektion nach WHO sinnvoll:

Bei der Versorgung am selben Patienten:

  • WHO-Moment 2: Vor aseptischen Tätigkeiten
  • WHO-Moment 3: Nach Kontakt mit potentiell infektiösem Material
  • WHO-Moment 5: Nach Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung

Handschuhdesinfektion in Zeiten von Corona:

Versorgungsengpässe bei Einmalhandschuhen lassen sich mit der gezielten Handschuhdesinfektion bereits verlangsamen. Abhängig von der Größe der Versorgungslücke empfiehlt eine Expertengruppe ergänzend zu den oben genannten drei Indikationen für eine Handschuhdesinfektion folgende weitere Möglichkeiten:

Stufe 2: Handschuhdesinfektion bei der Versorgung an einem Patienten in allen 5 Momenten für eine Händedesinfektion nach WHO:

  • WHO-Moment 1: Vor Patientenkontakt
  • WHO-Moment 2: Vor aseptischen Tätigkeiten
  • WHO-Moment 3: Nach Kontaktmit potentiell Infektiösem Material
  • WHO-Moment 4: Nach Patientenkontakt
  • WHO-Moment 5: Nach Kontakt mit der unmittelbaren Patientenumgebung

Stufe 3: Handschuhdesinfektion bei der Versorgung aller Patienten einer Kohorte einem Raum (COVID-19-Isolierzimmer) in allen 5 Momenten für eine Händedesinfektion nach WHO.


PDF Download aller 3 Übersichtstafeln Handschuhdesinfektion


Gut zu wissen:

Untersuchungen zeigen,

  • dass die Wirksamkeit der Händedesinfektion auf behandschuhten Händen mindestens so gut ist wie auf bloßen Händen.
  • dass das Handschuhmaterial i. d. R. bis zu 10 Behandlungen ohne größere Schäden überdauert.
  • dass die Kombination aus ethanolhaltigem Händedesinfektionsmittel und Nitril-Handschuhen am besten abschneidet
  • dass die korrekte Handschuhgröße die Desinfektion erleichtert da keine Falten entstehen

Die Desinfektion von Einmalhandschuhen widerspricht dem Einwegprinzip.


Quellen

Kampf G et al. Desinfektion behandschuhter Hände. Krankenhaushygiene 2018; 13: 27–40
World Health Organization (WHO). My 5 Moments for Hand Hygiene. https://www.who.int/gpsc/5may/background/5moments/en/.Letzter Zugriff am 16.04.2020
Kampf G et al. COVID-19-associated shortage of alcohol-based hand rubs, face masks and medical gloves - proposal for a risk-adapted approach to ensure patient and healthcare worker safety. Preprint 20. April 2020. DOI: 10.13140/RG.2.2.25649.12647.

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