Hygiene in Zeiten von Corona

Das Onlineportal von Dr. Schumacher richtet sich an Hygieneverantwortliche und Fachpersonal in Gesundheitseinrichtungen. Die aktuellen Beiträge aus Forschung und Praxis sollen während der COVID-19-Pandemie fachlich fundiert informieren und dabei unterstützen, Maßnahmen zur Hygiene und Infektionsprävention besser umzusetzen.

22.07.2020
Koinfektionen bei COVID-19

Risiko durch schlechte Mundhygiene

22.07.2020Hygienemanagement // Mundhygiene

Risiko durch schlechte Mundhygiene

COVID-19-Patienten haben ein erhöhtes Risiko, an bakteriellen Koinfektionen zu erkranken. Auslöser können u.a. orale Bakterien sein, die sich in der Mundhöhle ansammeln. Von dort können sie sich in andere Körperbereiche verbreiten und Infektionen verursachen. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen. Um dem vorzubeugen, ist es wichtig, eine sorgfältige Mundhygiene zu betreiben.

Virusinfektionen der Atemwege machen Patienten anfälliger für bakterielle Koinfektionen. [1] Die Koinfektionen führen wiederum zu erhöhter Krankheitsschwere und Sterblichkeit. So zeigt eine chinesische Studie, dass in der Coronavirus-Pandemie 50 % der verstorbenen COVID-19-Patienten zugleich sekundäre bakterielle Infektionen aufwiesen. [2] Eine weitere chinesische Studie konnte sowohl bakterielle als auch Pilz-Koinfektionen nachweisen. [3]

Orale Bakterien als Auslöser von Koinfektionen

Begünstigt wird die Entstehung von Koinfektionen bei COVID-19-Patienten durch orale Bakterien, die sich im Körper verbreiten. Analysen des genomischen Materials von Patienten mit SARS-CoV-2 haben hohe Werte von kariogenen und parodontalpathogenen Bakterien belegt. Das bestätigt die Auffassung, dass zwischen dem oralen Mikrobiom und Komplikationen bei COVID-19 ein Zusammenhang besteht. [4]

Zudem gibt es Hinweise darauf, dass parodontalpathogene Bakterien an der Entstehung und Entwicklung respiratorischer Krankheiten beteiligt sind, die mit COVID 19 einhergehen. Diese Bakterien stehen überdies in Verbindung mit chronisch-entzündlichen Systemerkrankungen einschließlich Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei sind diese Krankheiten häufig auftretende Begleiterkrankungen, die das Risiko für schwere Komplikationen und Tod bei COVID-19 erhöhen. [4]

Mundhygiene vor allem für Ältere wichtig

Demgegenüber belegen andere Studien, dass sich mit einer verbesserten Mundhygiene bei Patienten, die an Lungenentzündungen litten, die klinischen Ergebnisse erheblich verbessern und die Sterblichkeit verringert haben. [5] Einer von zehn pneumoniebedingten Todesfällen älterer Pflegeheimbewohner ab 65 Jahren gilt als vermeidbar durch eine verbesserte Mundhygiene. [6]

Fazit: Diese Zusammenhänge verdeutlichen, wie wichtig eine gründliche Mundhygiene für die Infektionsprävention ist. Insbesondere für ältere Patienten und Bewohnern in Pflegeeinrichtungen ist eine gute Mundhygiene unerlässlich, um Keime in der Mundhöhle zu reduzieren und die Verbreitung von oralen Bakterien in andere Körperbereiche zu verhindern.

Quellen:

1. Cox M J et al. Co-infections: potentially lethal and unexplored in COVID-19, Correspondence.
www.thelancet.com/microbe Vol 1 May 2020.

2. Zhou F. et al. Clinical course and risk factors for mortality of adult inpatients with COVID-19 in Wuhan, China: a retrospective cohort study. Lancet 2020; 395: 1054–62.

3. Chen N et al. Epidemiological and clinical characteristics of 99 cases of 2019 novel coronavirus pneumonia in Wuhan, China: a descriptive study. Lancet 2020; 395: 507–13.

4. Patel J / Sampson V The role of oral bacteria in COVID 19, Correspondence. www.thelancet.com/microbe Vol 1 July 2020.

5. Manger D et al. Evidence summary: the relationship between oral health and pulmonary disease. Br Dent J 2017; 222: 527–33.

6. Sjögren P et al. A systematic review of the preventive effect of oral hygiene on pneumonia and respiratory tract infection in elderly people in hospitals and nursing homes: effect estimates and methodological quality of randomized controlled trials. J Am Geriatr Soc 2008; 56: 2124–30.

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22.07.2020
COVID-19-Prävention

Pflegekräfte berichten über Hautprobleme

22.07.2020Hygienemanagement // Personalschutz

Pflegekräfte berichten über Hautprobleme

Berufsbedingte Hauterkrankungen sind im Gesundheitsdienst weit verbreitet. Zwischen 20 und  30 Prozent aller Beschäftigten in der Patienten- und Altenpflege entwickelt sogar ein Handekzem [1]. Hauptursache ist die so genannte Feuchtarbeit. Zu langes Handschuhtragen und häufiger Kontakt mit Wasser und Seife gefährden die natürliche Hautbarriere und führen zu Hautschäden an den Händen. In Zeiten von Corona zeigt sich nun, dass die Hauterkrankungen zunehmen. Betroffen sind nicht nur die Hände, sondern auch Gesichtspartien wie Nasenrücken, Wangen und Stirn.

Nasenrücken besonders häufig betroffen

Eine Studie an einem Krankenhaus der Tertiärversorung im chinesischen Hubei mit über 500 Pflegekräften [2] kommt zu dem Schluss, dass auch das Tragen verschiedener Atemschutz-Masken Spuren auf der Haut von Pflegekräften hinterlässt. Einer Fragebogenauswertung zufolge waren 97 Prozent der Befragten, die COVID-19-Patienten versorgte, von Hautproblemen betroffen. Als häufigste Symptome wurden Spannungsgefühl, Trockenheit, Abschuppung und Rötungen genannt. Knapp 70 Prozent beklagten Hautschäden auf dem Nasenrücken durch das Tragen von FFP2-Masken. Die Zahl derjenigen, die Hautschäden auf dem Nasenrücken verzeichneten, nahm deutlich zu, wenn die FFP2-Masken länger als 6 Stunden getragen wurde und erhöhte sich auf 81,1 Prozent.

Tragedauer unter 6 Stunden empfohlen

Über die Hälfte der Studienteilnehmer beklagten Hautirritationen an der Stirn, ausgelöst durch das Tragen eines Schutzvisiers. Die Zahl der Betroffenen erhöhte sich um 10 Prozent, wurden die Schutzschilder  länger als 6 Stunden getragen. Lediglich bei Handschuhen zeigte sich kein Unterschied zwischen dem Ausmaß der Hautirritation und der Tragedauer: Auch nach 6 Stunden waren die Hautirritationen durch Handschuhe nicht wesentlich höher als bei einer geringeren Tragedauer, lagen dafür aber auf einem insgesamt hohen Niveau von 76 Prozent.

Hautschäden vorbeugen

Händehygiene als Ursache für Hautirritationen wurde von 60 Prozent genannt, wenn Sie bis zu zehn Mal eine Händehygienegelegenheit wahrnahmen. Mehr als 10 Händehygienegelegenheiten führten zu fast 80 Prozent zu Hautirritationen. In der Studie wurde nicht erwähnt, mit welchen Produkten die Händehygiene durchgeführt wurde. Zur Prävention von Hautirritationen auf dem Nasenrücken verweisen die Autoren auf eine andere Studie, in der positive Erfahrungen mit vorbeugendem Einsatz von Hydrokolloidverbänden gemacht wurden.

Fazit:

Eine Barrierepflege mit Atemschutzmasken, ggfs. Schutzvisieren und einer konsequenten Händehygiene sind für die Prävention von SARS-CoV-2 Übertragungen während der Versorgung von COVID-19-Patienten unverzichtbar. Pflegekräfte sollten die Masken möglichst nicht länger als 6 Stunden tragen.  Die Schutzwirkung von FFP2-Masken liegt bei maximal 8 Stunden. Diese Tragedauer bei FFP2-Masken sollte nur bei Verknappung und in Notfällen ausgeschöpft werden.

Robert Koch-Institut [3] und die AKTION Saubere Hände [4] empfehlen, bei Händedesinfektionsmitteln besonderen Wert auf die Hautverträglichkeit zu legen. Bei umfassend begutachteten Produkten, z. B. durch eine VAH-Zertifizierung ist diese meist gegeben. Händedesinfektionsmittel auf Basis der Allgemeinverfügung nach Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) verfügen hingegen nicht alle über ausreichende Pflegeeigenschaften und damit über eine ausreichende Hautverträglichkeit.

Quellen:

1. Skudlik C, Dulon M, Wendeler D, John SM, Nienhaus A.
Hand Eczema in Geriatric Nurses in Germany – Prevalence and Risk Factors.
Contact Dermatitis, accepted 22. Oct. 2008

2. Juan Tao. Skin damage among health care workers managing coronavirus disease-2019. Research Letter. J AM ACAD DERMATOL, Mai 2020, Volume 82, No. 5.

3. Robert Koch-Institut. Händehygiene in Einrichtungen des Gesund­heits­wesens (2016). www.rki.de. (Letzter Zugriff 21.07.2020)

4. Wissenschaftlicher Beirat der AKTION Saubere Hände. Positionspapier Verträglichkeit von Händedesinfektionsmitteln. November 2010. Letzter Zugriff 21.07.2020)

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24.06.2020
SARS-CoV-2 auf Flächen

Pager und Telefone häufig besiedelt

24.06.2020Hygienemanagement // Flächenhygiene

Pager und Telefone häufig besiedelt

In welchem Ausmaß Bereiche und Flächen in Krankenhäusern mit SARS-CoV-2 kontaminiert sind, wurde in einer Studie des Universitätsklinikums Wuhan (China) untersucht. Demnach sind auf Oberflächen in Bereichen, in denen COVID-19-Patienten behandelt und betreut werden, häufig SARS-CoV-2-Viren nachweisbar.

Medizinische Bereiche in dem für COVID-19-Patienten vorgesehenen Krankenhaus wie klinisches Labor, Isolier- und Intensivstationen waren mit knapp 25 % deutlich stärker betroffen als Aufenthaltsbereiche und Verwaltungsabteilungen mit 4 %. In der allgemeinen Isolierstation waren knapp 25 % der getesteten Umweltproben positiv und in der Intensivstation 37,5 %.

Vor allem auf häufig berührten Flächen, wie z. B. Telefonen, Pagern und Computertastaturen, konnte der Erreger verstärkt nachgewiesen werden.

Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig eine sorgfältige Flächen- und Händehygiene sind, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verhindern.

PDF Download Infoblatt

Quelle:
Wu S et al. Environmental contamination by SARS-CoV-2 in a designated hospital for coronavirus disease 2019. American Journal of Infection Control 00 (2020) 1−5. https://doi.org/10.1016/j.ajic.2020.05.003

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Experten-Hotline*:
Desinfektion und Hygiene
bei SARS-CoV-2
Tel.: +49 5664 9496-6060
*In Zusammenarbeit mit unserem Tochterunternehmen EQmed

16.06. Episode 15

Hygiene im Ausnahmezustand

16.06.2020Praxisbeispiele // Personalschutz

Hygiene im Ausnahmezustand

In unserem Corona Hygiene-Tagebuch berichtet Dieter Wieting, Hygienefachkraft am Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende, mit welchen Strategien er in Zeiten von COVID-19 den Patienten- und Personalschutz aufrecht erhält.

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20.05.2020
Psychische Gesundheit

Konflikte: Die Wahrheit beginnt immer zu zweit

20.05.2020Praxisbeispiele // Personalschutz

Konflikte: Die Wahrheit beginnt immer zu zweit

Keine Frage, die Corona-Pandemie ist für viele Menschen eine belastende Situation. Das zeigt sich z. B. auch an Konflikten am Arbeitsplatz. Diese Konflikte haben meist grundsätzliche Ursachen. Wie man erkennt, was hinter den Konflikten steht und besser mit diesen Situationen umgehen kann, darüber spricht Gerburg Lutter, Mediatorin und Diplom-Sozialpädagogin aus Kiel.

Was sollte man wissen, um am Arbeitsplatz für Konfliktsituationen besser gewappnet zu sein?

Für einen besseren Umgang mit Konflikten ist zunächst einmal das Wissen um Gefühle und mögliche Konfliktreaktionen wichtig: Welches sind meine „Trigger-Punkte“ und lassen mich aus der Haut fahren? Das gehört zur sogenannten Selbstkompetenz. Das bedeutet, die eigenen Bedürfnisse, Stärken und Entwicklungsfelder zu kennen, sich damit auseinanderzusetzen und sich entsprechend Ziele zu setzen und zu verfolgen. Je höher die Kompetenz ist, eigene Gefühlsmuster und Bedürfnisse zu kennen und je mehr man über Konfliktreaktionen weiß, desto handlungsfähiger bleibe ich. Das macht mich sicher und lässt mich konstruktiver reagieren.

Was ist denn für Konflikte allgemein kennzeichnend?

Zwischenmenschliche Konflikte sind zunächst einmal durch Unterschiede im Denken, Wollen und Fühlen zwischen zwei Menschen oder Gruppen gekennzeichnet. Doch nicht die Unterschiede an sich machen den Konflikt, sondern folgende zwei Aspekte: Gibt es für die bestehenden Unterschiede eine Akzeptanz und gibt es eine generelle Bereitschaft, diesen Unterschieden offen und konstruktiv zu begegnen?

Wie hängen die Faktoren Unterschiede, Akzeptanz und Bereitschaft zusammen und was bedeutet das für Konflikte?

Um das zu verdeutlichen, habe ich das auf zwei einfache Formeln mit Plus- und Minuszeichen gebracht. Dabei ist die Unterschiedlichkeit immer ein Faktor:

Unterschiedlichkeit + Akzeptanz + Bereitschaft = Konfliktfreiheit ist möglich.

Unterschiedlichkeit – Akzeptanz – Bereitschaft = eine Konfliktgefahr ist vorhanden.

Daran lässt sich gut erkennen, dass die Unterschiedlichkeit zwar das Kernkennzeichen, aber nicht automatisch der Konflikt ist. Es geht vielmehr um die Frage, wie gehen Menschen mit dieser Unterschiedlichkeit um.

Gibt es auch körperliche Konfliktreaktionen?

Ja, drei Konfliktreaktionen kennen wir alle: Angriff, Flucht oder Schockstarre. Im Konflikt kann das Gehirn vereinfacht gesagt auf „Gefahr“ schalten. Dann reagieren wir automatisiert aus dem limbischen System, einem der ältesten Gehirnareale. Das Gehirn schaltet in den Überlebensmodus und steuert die Versorgung von Muskel- und Herz-Kreislaufsystem. Das „Denken“ steht zurück.

Angriff: Aggressivität und Drohgebärden in Lautstärke und Körperhaltung.

Flucht: Aus dem Zimmer laufen und die Tür zuschlagen.

Schockstarre: wie blockiert sein, bewegungs- und denkunfähig sein.

Das erklärt auch, warum uns erst im Nachhinein häufig klar ist, was wir hätten sagen oder wie wir uns anders hätten verhalten wollen.

Die Unterschiedlichkeit und die körperlichen Reaktionen gelten für alle Konflikte. Was ist zusätzlich für berufliche Konflikte typisch?

Im beruflichen Kontext agieren wir aus unserer professionellen Rolle heraus. Das Thema Rolle ist so wichtig, weil viele berufliche Konflikte durch ungeklärte Rollen entstehen. Als Hygienefachkraft habe ich beispielsweise ein Verständnis, wie ich in dieser Rolle zu agieren habe. Neben diesem Selbstverständnis gibt es auch die Erwartungen der Vorgesetzten und der Kollegen an meine Rolle. Ob das eigene Rollenverständnis über Zuständigkeiten einerseits und die Erwartungen der Vorgesetzten andererseits übereinstimmen – darüber wird oft gar nicht gesprochen und das führt dann zu Konflikten.

Wie lassen sich diese Konflikte zum Rollenverständnis vermeiden?

Grundsätzlich ist es wichtig, sich die Zeit zu nehmen, um Aufgaben und Erwartungen klar abzustimmen. So ist es hilfreich, mit den Vorgesetzten eindeutig abzuklären, wofür ich zuständig bin und was meine Aufgaben sind. Ich muss wissen, was ich in meiner Rolle zu tun und zu lassen habe. Das Abklären der Erwartungen ist entscheidend, um Rollenkonflikte nicht aufkommen zu lassen. In Krisen- und Drucksituationen ist der Faktor Zeit ein knappes Gut. Doch gerade in solchen Situationen kann durch Rollenklarheit effektiv Zeit gespart werden, da Energieverluste – ausgelöst durch Missverständnisse – ausbleiben.

Welche persönlichen Konfliktstrategien sind denn hilfreich?

Für eine gute Konfliktstrategie ist zu beachten: Die Wahrheit beginnt immer zu zweit. Es gibt nicht die eine Wahrheit. Es gibt verschiedene Standpunkte und es gibt mindestens immer eine zweite, dritte oder vierte Wahrheit. Habe ich also einen Standpunkt, den ich mit guten Argumenten belegen kann, kann ich trotzdem offen für den vielleicht gegensätzlichen Standpunkt meines Gegenübers sein. Wenn ich einen Konflikt konstruktiv lösen möchte, hilft die Bereitschaft, mein Gegenüber anzuhören und verstehen zu wollen. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass ich den Anderen verstehen kann, ohne einverstanden sein zu müssen.

Aber wie gelangt man denn bei zwei unterschiedlichen Standpunkten zu einer Lösung?

Wenn beide Personen ihre unterschiedlichen Standpunkte gegenseitig akzeptieren, kann man unabhängig davon überlegen, worin das gemeinsame Interesse besteht. Und da finden sich häufig Wege, ohne dass die Standpunkte harmonisiert werden müssen. Aus Standpunkten werden dann Ausgangspunkte zu etwas Neuem. Aus dieser Konstruktivität entsteht oft Etwas, was es vorher nicht gab. Und häufig ist das mehr als der faule Kompromiss, sondern wirklich etwas Neues.

Frau Lutter, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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28.05.2020
Flächenhygiene bei COVID-19

Mehrmals täglich desinfizieren

28.05.2020Hygienemanagement // Flächenhygiene

Mehrmals täglich desinfizieren

Mit ihrer neuen Interims-Empfehlung zur Flächenhygiene in Zusammenhang mit COVID-19 will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) „jegliche Rolle reduzieren die kontaminierte Oberflächen bei einer Übertragung von SARS-CoV-2 spielen könnten“. Oberflächen in Räumen in denen sich Patienten mit vermuteter oder bestätigter COVID-19-Infektion aufhalten, müssen den Experten zufolge mehrmals gereinigt und desinfiziert werden. Dabei kommt es auch auf die Reihenfolge der Desinfektion an.

Welche Rolle mit SARS-Cov-2 kontaminierte Oberflächen bei der Übertragung der neuartigen Lungenerkrankung spielen, ist noch nicht abschließend geklärt. Bisherige Studien, die die Überlebensfähigkeit der neuartigen Coronaviren untersuchten basierten auf experimentellen Untersuchungen und Laborversuchen. Nun belegen Studien zur realen Kontamination von Oberflächen in chinesischen COVID-19-Krankenhäusern und -Laboratorien, dass vor allem häufig berührte Oberflächen ein Übertragungsrisiko darstellen.

Erhöhte Reinigungs-Frequenz

Vor diesem Hintergrund hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine neue Interims-Empfehlung zur Flächenreinigung und -desinfektion in Zusammenhang mit COVID-19 veröffentlicht. Oberflächen in Räumlichkeiten, die in Zusammenhang mit der Versorgung von vermuteten oder nachgewiesenen COVID-19-Patienten stehen sind bis zu dreimal täglich zu reinigen oder zu desinfizieren. Die WHO geht in Ihren Empfehlungen damit über die vom Robert Koch-Institut (RKI) empfohlene tägliche Wischdesinfektion hinaus.



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Quelle:
World Health Organization (WHO).
Cleaning and disinfection of environmental surfaces in the context of COVID-19.
Interim guidance 15 May 2020

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FAQ

Müssen Flächendesinfektionsmittel für den Einsatz bei COVID-19 bestimmte Wirkstoffkonzentrationen enthalten?

Nein. Entscheidend für die sichere Inaktivierung von behüllten Viren wie SARS-CoV-2 ist eine nachgewiesene "begrenzt viruzide" Wirksamkeit. Der Nachweis auf Basis von Prüfmethoden nach der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) oder der EN 14476 bzw. der EN 16 777 (bei Produkten ohne Mechanik/Sprühdesinfektion) belegt, dass diese Flächendesinfektionsmittel unter den geprüften Standardbedingungen die Viren um mindestens 4 log-10-Stufen reduzieren. Dabei bleiben von 1 Million Viruspartikeln noch maximal 100 übrig. Auch das Robert Koch-Institut empfiehlt den Einsatz von begrenzt viruziden Produkten bei COVID-19.

Die erforderliche Wirksamkeit erreichen alle entsprechend gekennzeichneten verkehrsfähigen Produkte. Die Rezepturen und Wirkstoffgemische können dabei sehr unterschiedlich sein und auch unterschiedliche Wirkstoffkonzentrationen enthalten.

Wenn statt verkehrsfähiger Produkte reine Wirkstoff-Lösungen in den Einsatz gelangen, wurden bestimmte Konzentrationen als notwendig ermittelt. Das zeigt ein Review, das 22 Studien auswertete. In diesen Studien waren überwiegend reine Wirkstoffe in wässriger Lösung und keine verkehrsfähigen Produkte zum Einsatz gekommen. Bei den in den untersuchten Studien genannten Alkoholen waren keine mit niedrigerem oder mittlerem Wirkstoffgehalt vertreten, sodass über deren Wirksamkeit gegenüber Coronaviren keine Aussage gemacht werden konnte. Vor diesem Hintergrund kam das deutsche Forscherteam zu dem Ergebnis, dass beim Einsatz reiner Wirkstoff-Lösungen folgende Konzentrationen eingesetzt werden müssen, um innerhalb einer Minute Coronaviren zu inaktivieren: Ethanol: 62-71 %, Wasserstoffperoxid: 0,5 % oder Natriumhypochlorit 0,1 %. Andere Wirkstoffe wie 0,05-0,2 % Benzalkoniumchlorid oder 0,02 % Chlorhexidindigluconat waren in den Studien weniger wirksam.

Fazit: Das Studienreview erlaubt keinen Rückschluss auf am Markt befindliche Produkte: Im Markt erhältliche Desinfektionsmittel sind häufig deutlich komplexer formuliert als reine Wirkstofflösungen in Wasser und sind auf die jeweiligen Anwendungsbedingungen optimiert. In bestimmten Rezepturen können z. B. auch geringe Mengen von Benzalkoniumchlorid enthalten sein und das Produkt ist dennoch aufgrund der gesamten Formulierung wirksam. Entscheidend für die Eignung eines verkehrsfähigen Flächendesinfektionsmittels zur Inaktivierung von SARS-CoV-2 ist daher nicht ein vorgegebener Wirkstoffgehalt, sondern immer der durch aktuelle Prüfmethoden und Normen dokumentierte Nachweis der begrenzten Viruzidie.

Quellen:

Empfehlungen des RKI zu Hygienemaßnahmen im Rahmen der Behandlung und Pflege von Patienten mit einer Infektion durch SARS-CoV-2. Stand 1.4.2020. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Hygiene.html (Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Kampf G, Todt D, Pfaender S, Steinmann E: Persistence of coronaviruses on inanimate surfaces and its inactivation with biocidal agents. J Hosp Infect 104 (2020) pp 246-251. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195670120300463?via%3Dihub (Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Was ist bei Einsatz und Aufbereitung von Medizinprodukten mit direktem Kontakt zum COVID-19-Patienten zu beachten?

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt alle Medizinprodukte, wie z. B. Stethoskope oder Elektroden, mit direktem Kontakt zu COVID-19-Patienten immer patientenbezogen einzusetzen.

Nach der Nutzung sind die Medizinprodukte zu desinfizieren. Beim Transport sollte darauf geachtet werden, dass die Transportbehältnisse geschlossen und außen desinfiziert sind. Zur Aufbereitung der Medizinprodukte sind bevorzugt thermische Desinfektionsverfahren anzuwenden. So bieten die thermischen Verfahren in Reinigungs- und Desinfektionsgeräten laut RKI eine zuverlässigere Wirksamkeit, wie z. B. eine geringere Beeinträchtigung durch Restverschmutzungen.

Falls thermische Verfahren nicht möglich sind, empfiehlt das RKI den Einsatz von Desinfektionsmitteln mit nachweislich mindestens begrenzt viruzider Wirksamkeit.

Quellen:

Robert Koch-Institut, Empfehlungen des RKI zu Hygienemaßnahmen im Rahmen der Behandlung und Pflege von Patienten mit einer Infektion durch SARS-CoV-2, Stand 01.04.2020.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Hygiene.html ( Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Robert Koch-Institut, Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten, 1. Oktober 2012.
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Kommission/Downloads/Medprod_Rili_2012.html (Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Wie können Wäsche und Textilien von COVID-19-Patienten sicher aufbereitet werden?

Wäsche und Textilien von COVID-19-Patienten können nach den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts mit einem desinfizierenden Wäschedesinfektionsverfahren gemäß RKI-Liste sicher aufbereitet werden.
In der Liste sind die unterschiedlichen Verfahren und Wirkstoffe beschrieben wie beispielsweise die erforderlichen Konzentrationen von Desinfektions- und Waschmitteln sowie Flottenverhältnis, Temperatur und Einwirkzeit. Zu beachten ist, dass die dafür eingesetzten Waschmaschinen die geforderten Parameter auch einhalten können. Das setzt voraus, dass die Waschmaschinen gemäß der Bedienungsanweisung betrieben, regelmäßig gewartet und auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden.
Als Taschentücher sollten bei COVID-19-Patienten Einwegtücher verwendet werden. In Bezug auf Betten und Matratzen werden wischdesinfizierbare Überzüge empfohlen.

Quellen:
RKI. Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren. Stand: 31. Oktober 2017 (17. Ausgabe). https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Desinfektionsmittel/Downloads/BGBl_60_2017_Desinfektionsmittelliste.pdf (Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Empfehlungen des RKI zu Hygienemaßnahmen im Rahmen der Behandlung und Pflege von Patienten mit einer Infektion durch SARS-CoV 2.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Hygiene.html (Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Welche Kriterien sind bei Besuchsregelungen während COVID-19 in Alten- und Pflegeeinrichtungen zu beachten?

Grundsätzlich gilt: Ob und unter welchen Bedingungen eine Einrichtung Besuche zulässt, entscheidet die Einrichtung abhängig von der lokalen Situation, ggf. in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt.

Folgende Aspekte sind dabei generell zu berücksichtigen:

  • Soziale Kontakte sollten nicht über persönliche Besuche, sondern möglichst über Telekommunikation, wie z. B. Telefon, wahrgenommen werden.
  • Personen, die Anzeichen einer Erkältung zeigen, sollten der Einrichtung fernbleiben. Gleiches gilt für Kontaktpersonen von COVID-19-Infizierten.
  • Lässt eine Einrichtung Besuche zu, muss jeder Besuch registriert werden (Besuchername, Besuchsdatum, Name des besuchten Bewohners). Zudem sollte der Besuch zeitlich auf ein Minimum begrenzt sein und die Besucher über die erforderlichen Schutzmaßnahmen informiert werden. Dazu gehören die Einhaltung eines Mindestabstands von 1,5 bis 2 Metern zum Bewohner, das Tragen von Schutzkittel und Mund-Nasen-Schutz sowie das Desinfizieren der Hände beim Verlassend des Bewohnerzimmers.

Quelle:
Robert Koch-Institut, Prävention und Management von COVID-19 in Alten- und Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen, Empfehlungen für Alten- und Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen sowie für den öffentlichen Gesundheitsdienst, Stand: 14.04.2020. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Alten_Pflegeeinrichtung_Empfehlung.pdf?__blob=publicationFile

07.05.2020
Einsatz von Desinfektionsmitteln

Standardprodukte vs. Allgemeinverfügungs-Rezepturen: Was ist zu beachten?

07.05.2020Hygienemanagement // Desinfektionsmittel

Standardprodukte vs. Allgemeinverfügungs-Rezepturen:  Was ist zu beachten?

Zur Beseitigung der Versorgungslücken bei Hände- und Flächendesinfektionsmitteln erließ die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) eine mehrmals aktualisierte Allgemeinverfügung. Diese erlaubt Apotheken und Unternehmen der pharmazeutischen und chemischen Industrie Biozidprodukte für die Hände- und Flächendesinfektion herzustellen. Der Facharzt für Hygiene und Umweltmedizin Prof. Dr. Günter Kampf erklärt, was Gesundheitseinrichtungen dabei beachten sollten.

Was genau verbirgt sich hinter den Allgemeinverfügungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zur Zulassung von Biozidprodukten für die Hände- und Flächendesinfektion?

Prof. Dr. Günter Kampf: Die BAuA als die zuständige Behörde für Biozidprodukte hat am 4. März 2020 eine Allgemeinverfügung zur Zulassung von Biozidprodukten zur hygienischen Händedesinfektion erlassen die in der Zwischenzeit 3-mal aktualisiert wurde. Die letzte Version datiert auf den 9. April 2020. Zusätzlich wurde am 2. April 2020 eine Allgemeinverfügung zur Zulassung bestimmter Biozidprodukte für die Flächendesinfektion erlassen. Die Allgemeinverfügungen erweitern den Herstellerkreis von Desinfektionsmitteln zur Hände- und Flächendesinfektion deutlich. Das Inverkehrbringen dieser Produkte ist auf maximal 180 Tage beschränkt, denn die Biozidprodukte erfüllen nicht die in der Verordnung 528/2012 niedergelegten Voraussetzungen für die reguläre Erteilung einer Zulassung.

Ist das auch der Grund, warum Sie Gesundheitseinrichtungen empfehlen, wo immer es möglich ist, die zugelassenen Produkte der namhaften Desinfektionsmittelhersteller zu verwenden?

Ja, denn die antimikrobielle Wirksamkeit der zugelassenen marktüblichen Produkte zur Hände- und Flächendesinfektion ist umfassend untersucht. Viele dieser Produkte wurden vom VAH zertifiziert und die Hautverträglichkeit bzw. Materialverträglichkeit ist in der Regel gut belegt.

Woran kann man sich orientieren, wenn es um die Wirksamkeit bei SARS-CoV-2 geht?

Hände- und Flächendesinfektionsmittel, die eine nachgewiesene Wirksamkeit gegenüber behüllten Viren aufweisen und damit das Wirkspektrum „begrenzt viruzid“ erfüllen, sind als grundsätzlich wirksam gegenüber Coronaviren inkl. SARS-CoV-2 zu betrachten.

Auch die nach BAuA zugelassenen Rezepturen zur hygienischen Händedesinfektion sind nach heutigen Kenntnisstand gegenüber Coronaviren wirksam. Sie bewerten diese Biozidprodukte dennoch kritisch für Gesundheitseinrichtungen, warum?

Für die Mehrzahl der in der Allgemeinverfügung genannten Biozidprodukte zur hygienischen Händedesinfektion liegen keine oder nur wenige öffentliche Wirksamkeitsnachweise in Form von Gutachten vor, auch wenn die Wirkstoffe selber seitens der Hersteller bzw. in der wissenschaftlichen Literatur mehrheitlich gut untersucht sind. Die Hälfte der 8 Biozidprodukte zur hygienischen Händedesinfektion aus der Allgemeinverfügung der BAuA hat auf Basis veröffentlichter Daten keine ausreichend starke bakterizide und levurozide Wirksamkeit innerhalb von 30 s. Drei der Rezepturen sollen sogar mit 2 x 3 ml über 2 x 30 s angewendet werden, der im Vergleich zur Mehrzahl handelsüblicher Produkte doppelten Einreibedauer und doppeltem Anwendungsvolumen. Darüber hinaus fehlen in vier der Alkohol-Wasser-Gemische aus der Allgemeinverfügung Hautpflegesubstanzen.

Welche Konsequenzen für die Praxis in der Versorgung von Patienten haben diese Defizite bei den Rezepturen?

Bei häufiger Anwendung dieser Alkohol-Wasser-Gemische ist damit zu rechnen, dass es zu Hautirritationen bei den Mitarbeitern kommt. In der Folge ist eine niedrigere Compliance in der Händehygiene wahrscheinlich. Hierdurch erhöht sich das Risiko des Patienten für eine nosokomiale Infektion. In Kliniken werden unverändert schwerkranke Patienten versorgt, deren größte Infektionsgefahr nach wie vor Bakterien und Hefepilze sind, immer häufiger auch multiresistente Bakterien. Um eine Übertragung dieser Keime zu vermeiden desinfizieren sich die Mitarbeiter bis zu 60 mal pro Schicht die Hände. Eine sichere antimikrobielle Wirksamkeit der Händedesinfektionsmittel innerhalb von 30 s sowie eine gute Hautverträglichkeit sind in der Patientenversorgung unverzichtbar. In der letzten Version der Allgemeinverfügung werden die oben beschriebenen Biozidprodukte mit einer geringeren Wirksamkeit innerhalb von 30 s deshalb auch lediglich zur Anwendung außerhalb der Patientenversorgung empfohlen.

Vier Biozidprodukte sollen laut Allgemeinverfügung der BAuA auch zur Händedesinfektion in der Patientenversorgung bei einer Mangelsituation in Betracht kommen?

Es handelt sich dabei um zwei Alkohol-Wasser-Gemische sowie die modifizierten WHO-Formulierungen, die ursprünglich von der Weltgesundheitsorganisation für Länder mit begrenzten wirtschaftlichen Ressourcen zur Herstellung vor Ort für die Patientenversorgung entwickelt wurden.

Was halten Sie von Biozidprodukten, die nach der Allgemeinverfügungen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) zur Zulassung von Flächendesinfektion hergestellt werden?

Die von der BAuA zur Flächendesinfektion vorübergehend zugelassenen Biozidprodukte basieren auf 80% v/v Ethanol, 0,5% w/w Natriumhypochlorit bzw. 2,5% w/w Chloramin T.

Ethanol ist dabei laut Allgemeinverfügung lediglich auf Flächen bis zu 2 m2 anwendbar und soll über die Dauer von 15 Minuten einwirken. Dieses Biozidprodukt kommt somit nur für kleine Flächen in Betracht. Der Hersteller hat dabei sicher zu stellen, dass Ethanol keine gefährlichen Verunreinigungen enthält. Die Anwendung von Natriumhypochlorit ist nur gegen behüllte Viren durchzuführen und darf nur auf nicht-verschmutzten trockenen Flächen über 30 Minuten erfolgen.

Wässrige Chloramin T-Lösung darf ebenfalls keine gefährlichen Verunreinigungen enthalten und soll über 2 Stunden einwirken. Die Praktikabilität und Anwendungssicherheit dieser drei vorübergehend zugelassenen Biozidprodukte ist für die Routineanwendung auf Flächen in der Patientenversorgung daher kritisch zu hinterfragen.

Prof. Dr. Kampf, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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03.05.2020
Internationaler Tag der Händehygiene am 5. Mai

Patientenschutz beginnt bei den Pflegekräften

03.05.2020Hygienemanagement // Händehygiene

Patientenschutz beginnt bei den Pflegekräften

Am diesjährigen Internationalen Tag der Händehygiene stellt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Verdienste von Pflegekräften und Hebammen in den Mittelpunkt. Die WHO erinnert daran, dass „saubere und sichere Pflege“ bei den Pflegekräften beginnt. Entscheider sollen das Pflegepersonal aufstocken und stärker unterstützen um den Infektionsschutz und die Pflegequalität zu sichern.

Die Hälfte aller Beschäftigten im Gesundheitswesen weltweit sind Pflegekräfte und Hebammen. Beide Berufsgruppen spielen eine Schlüsselrolle beim Schutz vor Infektionen und stehen im Mittelpunkt der diesjährigen WHO-Kampagne zur Händehygiene am 5. Mai.

Um die Verdienste und die Verantwortung der Pflegekräfte zu würdigen hat die WHO sowohl den Internationalen Tag der Händehygiene als auch das Jahr 2020 den Krankenschwestern und Hebammen gewidmet.

Mit dieser Entscheidung feiert die 72. Weltgesundheitsversammlung gleichzeitig den 200. Geburtstag von Florence Nightingale. Die britische Krankenschwester reformierte die Krankenpflege und gehörte zu den ersten, die erkannte, dass Pflegekräfte durch die Verbreitung von Infektionen den Patienten Schaden zufügen können.

Eine qualitativ gute und sichere Pflege beginnt mit den Pflegekräften, sie erfordert aber auch die weitreichende Unterstützung der gesamten Gesellschaft. Deshalb adressiert die WHO auch in diesem Jahr wieder unterschiedliche Aufgaben an unterschiedliche Gesellschaftsgruppen:

Die WHO-Appelle 2020:

  • Pflegekräfte: "Saubere und sichere Pflege beginnt bei Ihnen".
  • Hebammen: "Ihre Hände machen den Unterschied für Mütter und Babys."
  • Politische Entscheidungsträger: "Erhöhen Sie die Pflegekapazitäten, um Infektionen zu verhindern und die Qualität der Pflege zu verbessern. Schaffen Sie die Mittel, um Krankenschwestern und Hebammen bei ihren Aufgaben zu stärken".
  • Führungskräfte in der Hygiene und der Infektionskontrolle : "Unterstützen Sie Pflegekräfte und Hebammen dabei, eine hygienische Versorgung sicher zustellen“
  • Patienten und Familien: "Sichere Pflege für Sie und mit Ihnen."

Internationaler Händehygienetag und COVID-19

Gerade in der aktuellen Corona-Pandemie verdienen die Pflegekräfte und andere Beschäftigte des Gesundheitswesens besondere Anerkennung und Wertschätzung wie die Weltgesundheitsorganisation unterstreicht: Sie sind die Helden, die in der ersten Reihe stehen um das Leben von COVID-19-Patienten zu retten.

In der gegenwärtigen Pandemie hat das Pflegepersonal eine besondere Verantwortung. Die WHO nennt hier vor allem die korrekte Händehygiene, physische Distanzierung und Desinfektion von Oberflächen als wichtige Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie.

Auch Pflegekräfte brauchen Prävention

Damit Pflegekräfte ihre wichtige Rolle im Infektionsschutz optimal einsetzen können müssen sie selbst geschützt werden. Untersuchungen zeigen, welchen Belastungen Pflegekräfte ausgesetzt sind:

  • Widersprüchliche oder unvereinbare Arbeitsanweisungen anstelle gezielter berufsgruppenübergreifender Zusammenarbeit
  • Verschiebung von Aufgaben: v.a. Übernahme pflegefremder Tätigkeiten
  • Interprofessionelle Spannungen
  • Mangelnde soziale Unterstützung durch Kollegen und Vorgesetzte (häufig in großen Einrichtungen)
  • Konfrontation mit Tod, Krankheit und Leid
  • Starke zeitliche Beanspruchung
  • Emotionale und psychische Belastungen und Stress

Demgegenüber wirkt sich die Erhöhung der Personalkapazitäten und eine auch als Skill-Mix- Teams bezeichnete vielfältigere Personal- und Qualifikationsmischung positiv aus.

So stiegen:

  • die Pflegequalität
  • die Arbeitszufriedenheit

Es verringerten sich:

  • Unerwünschte Ereignisse bei hospitalisierten Patienten, einschließlich nosokomialer Infektionen wie katheterassoziierter Harnwegsinfektionen, Blutbahninfektionen und beatmungsassoziierter Pneumonien.

Quellen:
World Health Organization (WHO): Save lives: Clean Your Hands. „Nurses an Midwifes Clean care is in Your Hands. Adovocacy Slides. 5 May 2020. https://www.who.int/infection-prevention/campaigns/clean-hands/advocacy-slides-2020_long-version.pdf?ua=1 Letzter Zugriff 2. Mai 2020

Gill CJ, Gill G. Nightingale in Scutari: her legacy reexamined. Clin Infect Dis. 2005; 40:1799-805 Allegranzi B et al. Infection prevention: laying an essential foundation for quality universal health coverage. Lancet Global Health 2019. 7(6):e698–e700. doi:10.1016/S2214-109X(19)30174-3

Klaus Jacobs / Adelheid Kuhlmey / Stefan Greß / Jürgen Klauber / Antje Schwinger (Hrsg.) Pflege-Report 2016 „Die Pflegenden im Fokus“. Schattauer (Stuttgart) 2016

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15.05.2020
Rückkehr zur Regelversorgung

Das neue Normal

15.05.2020Hygienemanagement // Regelversorgung

Das neue Normal

Aktuell erfolgt schrittweise die Aufnahme des operativen Routinebetriebs – auch die Ambulanzen füllen sich zunehmend. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV e.V.) gibt Empfehlungen, wie den so genannten nosokomialen Infektionsclustern vorgebeugt werden kann. Stationsmodule helfen dabei, die unterschiedlichen Patientengruppen zu managen.

Wellenförmige Infektionsverläufe und unterschiedliche Infektionshäufigkeiten in der Allgemeinbevölkerung – solange es keinen Impfstoff gibt, gehören COVID-19 Patienten zum Klinikalltag. Gesundheitseinrichtungen werden in der nächsten Zeit mit dem Risiko einer nosokomialen Verbreitung von SARS-CoV-2 leben und arbeiten müssen. Wie Infektionen bei schrittweiser Rückkehr zur Regelversorgung größtmöglich vorgebeugt werden kann hat die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV e.V.) in ihren aktuellen Empfehlungen zusammengefasst.

Stationsmanagement in Zeiten von COVID-19

Die neue Normalität in Zeiten von Corona: Kliniken müssen sich darauf vorbereiten, parallel unterschiedlich oder gar nicht von COVID-19 betroffene Patienten zu versorgen – und gleichzeitig das Risiko eines nosokomialen Corona-Ausbruchs im Blick behalten. Bereits ein einziger Patientencluster im Haus kann eine ganze Klinik lahmlegen.

Auf organisatorischer Ebene schlagen die Experten der DGAV für die Versorgung der unterschiedlichen Patientengruppen verschiedene Stationsmodule vor. Diese können je nach Klinikgröße als separate Einheiten oder als Abgrenzungen innerhalb einer Fachabteilung organisiert sein. Die verschiedenen Einheiten entsprechen den unterschiedlich von COVID-19 betroffenen bzw. nicht betroffenen Patientengruppen: Neben dem Isolationsbereich für COVID-19 Kranke, sind Stationen für COVID- 19-positive Patienten, aber auch für COVID-19-asymptomatische Patienten sinnvoll – jene Patienten, die sich aus anderen Indikationen in eine Krankenhausbehandlung begeben. Daneben werden zunehmend auch Stationen mit COVID-19 negativen Patienten geführt werden müssen. Das Konzept bildet die Vielfalt der Patientenversorgung in Zeiten von Corona ab und bietet gleichzeitig die Chance eines risikoangepassten Infektionsschutzes.

Stationsmodule bzw. Einheiten in Fachabteilungen:

  • Die Holding Area
    In der Aufnahmeeinheit für stationäre Patienten warten Neuaufnahmen auf ihr Abstrich-Ergebnis. Die Patienten und alle Angestellten tragen MNS. Bei negativem Abstrich können die Patienten von den jeweiligen Fachstationen aufgenommen werden.
  • Die COVID-19 Verdacht Station
    Hier werden die Patienten ausschließlich unter Berücksichtigung der Barriere-Pflege betreut.
  • Station für COVID-19 positive Patienten
    Isolierstation mit Barrierepflege. Abhängig von der führenden klinischen Symptomatik wird die Isolierstation noch einmal unterteilt in eine
    - internistische (COVID-19 Kranke) oder z. B.
    - chirurgische Fachabteilung (Kranke, die auch COVID-19 positiv sind)
  • Patienten ohne COVID-19 Erkrankung
  • Intensivstation/Intermediate Care
    - COVID-19 Isolierung
    - COVID-19 negativer Bereich

Zusätzlich empfiehlt die Fachgesellschaft, sich bei der die Belegung nicht am Bettenkontingent zu orientieren. Vielmehr sollte die mögliche Kapazität der chirurgischen und interventionellen Einheiten (z. B. Endoskopie, Katheterlabor, Radiologie.) zugrunde gelegt werden. Die Zahl der täglich einbestellten Patienten wird dabei den tagesaktuellen Kapazitäten angepasst. Wird ein erneuter Anstieg von COVID-19 Erkrankten vermerkt, sollte dieser in die Gesamtbelegungsplanung eingehen.


Quelle:
Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV e.V.) COVID-19 Empfehlungen. 24. April 2020. https://www.awmf.org Letzter Zugriff am 14.05.2020

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05.05.2020
Internationaler Tag der Händehygiene am 5. Mai

Hygienisch sicher durch den Tag

05.05.2020Hygienemanagement // Händehygiene

Hygienisch sicher durch den Tag

Angesichts der Corona-Pandemie sind Pflegekräfte besonders gefordert, Hygieneregeln sorgfältig einzuhalten. Welche Hotspots der Händehygiene während eines Arbeitstags in Gesundheitseinrichtungen entscheidend für den Infektionsschutz sind, finden Sie in unserer Grafik zum 5.5. kompakt zusammengefasst.

PDF Download der Infografik: Hygienisch sicher durch den Tag

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