Hygiene in Zeiten von Corona

Das Onlineportal von Dr. Schumacher richtet sich an Hygieneverantwortliche und Fachpersonal in Gesundheitseinrichtungen. Die aktuellen Beiträge aus Forschung und Praxis sollen während der COVID-19-Pandemie fachlich fundiert informieren und dabei unterstützen, Maßnahmen zur Hygiene und Infektionsprävention besser umzusetzen.

23.11. Episode 22

Hygiene im Ausnahmezustand

23.11.2020Hygienemanagement

Hygiene im Ausnahmezustand

In unserem Corona Hygiene-Tagebuch berichtet Dieter Wieting, Hygienefachkraft am Evangelischen Krankenhaus Göttingen-Weende, mit welchen Strategien er in Zeiten von COVID-19 den Patienten- und Personalschutz aufrecht erhält.

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19.11.2020
PARALLELEN UND WECHSELWIRKUNGEN

COVID-19 und Antibiotikaresistenzen

19.11.2020Publikationen // Studien

Der Kampf gegen Corona steht für viele Gesundheitseinrichtungen derzeit an erster Stelle. Aktuell nicht so akut, aber auf lange Sicht nicht minder wichtig ist die Eindämmung antimikrobieller Resistenzen (AMR). Welche Parallelen und wechselseitigen Beeinflussungen zwischen COVID-19 und AMR bestehen und welche Lehren daraus gezogen werden können, zeigt eine kanadische Studie.

Sowohl COVID-19 als auch AMR sind gesundheitliche Notlagen und bilden eine ernsthafte Herausforderung für die Gesundheitssysteme weltweit, urteilen die Autoren einer aktuellen Studie zum gegenseitigen Einfluss von COVID-19 und AMR. Doch während die meisten Länder enorme Anstrengungen unternehmen, um COVID-19 einzudämmen und zu behandeln, geraten andere Gesundheitsfragen in den Hintergrund. Dabei sind gerade Antibiotikaresistenzen eine Herausforderung, die immer im Blick zu behalten sei, betonen die Experten. [1]

Parallelen zwischen COVID-19 und AMR

Der weltweite Ausbruch von COVID-19 wurde am 11. März 2020 von der Weltgesundheitsorganisation offiziell zur Pandemie erklärt. Pandemische Züge machen die kanadischen Forscher auch bei AMR aus. Aber im Gegensatz zu COVID-19 handelt es sich hierbei um einen allmählichen Prozess, der viele Mikroorganismen betrifft. Zudem liegen zu AMR fundierte Kenntnisse vor, so Nieuwlaat und Kollegen weiter. [1]

Trotz dieser Unterschiede erfordern COVID-19 und AMR parallele Maßnahmen, darunter z. B. verhaltensbedingte Interventionen. So sind die zur Eindämmung von COVID-19 praktizierten Verhaltensänderungen, wie Händehygiene, Abstand halten, Quarantäne und Reisebeschränkungen auch wirksame Maßnahmen, um die mit AMR verbundenen Gesundheitsrisiken zu verringern. Wichtig für die Bekämpfung von COVID-19 wie auch von AMR ist die Entwicklung neuer Impfstoffe, Medikamente und Schnelltests. [1]

Doch während zur Eindämmung von COVID-19 international zusammengearbeitet wird und die Entwicklung neuer Behandlungen und Impfstoffe mit Hochdruck vorangetrieben werden, machen die Maßnahmen gegen AMR nur langsam Fortschritte. Dabei zeigt die schnelle Reaktion auf COVID-19, dass Initiativen zur Bekämpfung von AMR schneller durchgeführt werden könnten. Umgekehrt könnten aber auch aus der langfristigen Untersuchung der sich allmählich entwickelnden AMR wichtige Rückschlüsse für die Reaktion auf COVID-19 gezogen werden. [1]

Wechselseitige Beeinflussung

Neben den Parallelen sind zwischen COVID-19 und AMR auch Wechselwirkungen zu beobachten. Reicht eine unterstützende Behandlung nicht aus, werden bei schwer erkrankten COVID-19-Patienten zur Verbesserung ihres Zustands zusätzlich Antibiotika eingesetzt. Insbesondere das erhöhte Risiko von Sekundärinfektionen bei viral erkrankten Patienten kann einen weiteren Einsatz von Antibiotika erfordern. [1]

Laut Autoren kann der Kampf gegen COVID-19 aber auch zu einer verringerten Nutzung von Antibiotika führen – insbesondere bei einem längeren Andauern der Pandemie. Vor allem Verhaltensänderungen, wie z. B. das Abstandhalten, werden wahrscheinlich die Verbreitung anderer Infektionen und damit den Einsatz antimikrobieller Mittel verringern. [1]

Welche Parallelen und Wechselwirkungen zwischen COVID 19 und AMR bestehen, haben die Autoren in einer Tabelle zusammengefasst.

 Vergleich: COVID 19 und Antibiotikaresistenzen [1]

 

 

COVID 19

Stand: 03.06.2020

Antibiotikaresistenzen

Charakteristika

 

 

 

Anzahl weltweit Betroffener

6,28 Mio.

(jährlich unbekannt)

 

Stand: 17.11.2020*

55.11 Mio.

(jährlich unbekannt)a

 

64,5 Mio. jährlich

Kenntnis des Problems

 

In Entwicklung

Vorhanden

Verbreitung

 

Schnell

Allmählich

Mechanismus

 

Neuübertragung von nichtmenschlichem Wirt

Natürliche Selektion in Menschen, Tieren und Umwelt

Erforderliche Verhaltensänderungen

 

 

Händewaschen

 

Regelmäßig erforderlich

Regelmäßig erforderlich

Abstand halten

 

Zwingend erforderlich, evtl. wiederkehrend

Evtl. wiederkehrend

Reisebeschränkungen

 

Zwingend erforderlich, evtl. wiederkehrend

Evtl. wiederkehrend

Quarantäne

 

Bestätigte und vermutete Fälle

Bestätigte und vermutete Fälle

Auswirkungen

 

 

 

Sterblichkeit weltweit

 

379.000

(jährlich unbekannt)

 

Stand: 17.11.2020*

1.328.685

(jährlich unbekannt)a

 

812.000 jährlich

Wirtschaftliche Auswirkungen

Unbekannt

400 Mrd. Dollar

Sozial bedingte Ungleichheit von Gesundheitschancen

Erhöht

Erhöht

Management

 

 

 

Impfstoff

 

In Entwicklung

 

 

Nicht verfügbar für resistente Keime

Vermehrtes Testen

 

Echtzeit-Bild der Ausbreitung

Surveillance des Problems

Schnelle Diagnose

 

In Entwicklung

 

 

Einige nutzbare Tests (Procalcitonin, C-reaktives Protein)

Neue Medikamente

In Entwicklung

 

Wenige in Entwicklung

Stewardship

 

Frühzeitig

Kontinuierlich und international

*Ergänzung der Tabelle von Nieuwlaat R et al. um aktuelle Fallzahlen zu COVID-19 durch Recherche der Redaktion.

aCOVID-19 Map - Johns Hopkins Coronavirus Resource Center, https://coronavirus.jhu.edu/map.html (Letzter Zugriff am 17.11.2020).

Quelle:

1. Nieuwlaat R et al. Coronavirus Disease 2019 and Antimicrobial Resistance: Parallel and Interacting Health Emergencies, Clinical Infectious Diseases, ciaa773, https://doi.org/10.1093/cid/ciaa773 Published: 16 June 2020.

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05.11.2020
SARS-CoV-2

Häufige Übertragung im Krankenhaus

05.11.2020Publikationen // Studien

Häufige Übertragung im Krankenhaus

Aktuelle Untersuchungen aus England zeigen: Das Risiko einer Ansteckung mit SARS-CoV-2 ist in Gesundheitseinrichtungen hoch. Eine der Studien weist nach: Die Sterblichkeit von COVID-19-Patienten, die sich im Krankenhaus infizieren, ist geringer als bei Patienten, die mit einer bestehenden COVID-19-Infektion im Krankenhaus aufgenommen wurden.

LautNational Health Service England (NHS) sind aktuell 17,6 % der COVID-19-Infektionen in England wahrscheinlich auf eine Ansteckung in Gesundheitseinrichtungen zurückzuführen. Im Nordwesten Englands liegt die Rate bei bis zu 25 % und steigt in anderen Teilen des Landes sogar noch weiter an. Eine therapieassoziierte stationäre COVID-19-Infektion liegt nach Definition des NHS dann vor, wenn die Diagnose 7 Tage nach der Aufnahme gestellt wird. [1]

Gestütztwerden diese Zahlen durch eine vom King’s College London durchgeführten Studie. Demnach haben sich mindestens 12,5 % der COVID-19-Krankenhauspatienten während ihres Aufenthalts im Krankenhaus mit dem Corona-Virus infiziert. Die Mehrheit der betroffenen Patienten war bereits lange Zeit im Krankenhaus. In der Studie wurde eine Infektion dann als eine im Krankenhaus erworbene Infektion definiert, wenn sie 15 Tage nach Aufnahme der Patienten auftrat. [2]

Rechtzeitige klinische Behandlung wichtig

Die Studie des King’s Collegeverglich außerdem die Behandlungsergebnisse von COVID-19-Patienten, die sich außerhalb des Krankenhauses infiziert hatten, mit denjenigen, die sich im Krankenhaus eine Infektion zugezogen hatten. Das Ergebnis: Unter Berücksichtigung des Alters, der bestehenden Gesundheitszustände und der Schwere der Infektion starben diejenigen, die im Krankenhaus eine Infektion erlitten, mit geringerer Wahrscheinlichkeit als vergleichbare Patienten, die sich außerhalb Krankenhauses infiziert hatten. [2]

Die Forscher vermuten, dass die besseren Ergebnisse der Patienten, die sich im Krankenhaus mit Corona ansteckten, auf die genauere Überwachung, die schnellere Diagnose sowie die rechtzeitige klinische Behandlung zurückgeführt werden können. Laut Experten deuteten die Ergebnisse zudem darauf hin, dass die Genesung der Patienten, die sich im Krankenhaus infizierten, durch die schnelle klinische Behandlung besser sei als derjenigen Patienten, die bereits mit COVID-19-Infektion ins Krankenhaus gekommen seien. [2]

 

Quellen:

  1. Heneghan C, Howdon D, Oke J, Jefferson T The Ongoing Problem of UK Hospital AcquiredInfections
    October 30, 2020, https://www.cebm.net/covid-19/the-ongoing-problem-of-hospital-acquired-infections-across-the-uk/ (Letzter Zugriff am 03.11.2020).
     
  2. Carter et al. (2020) Nosocomial COVID-19 infection: examiningtheriskofmortality. The COPE-Nosocomialstudy (COVID in Older People). Journal of Hospital Infection. DOI: 10.1016/j.jhin.2020.07.013.

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Experten-Hotline*:
Desinfektion und Hygiene
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15.09.2020
Patientensicherheit

Prävention minimiert Risiken deutlich

15.09.2020Hygienemanagement // Patientensicherheit

Prävention minimiert Risiken

Viele Patienten mieden aus Angst vor einer Ansteckung während der hochakuten Corona-Pandemie die Notfallaufnahmen. So sank allein die Zahl der Herzinfarkt- und Schlaganfall-Patienten in den ZNA um mehr als 30 Prozent. Die gute Nachricht für die Patientensicherheit: Umfassende Präventionsmaßnahmen können das Risiko einer nosokomialen Infektion mit dem neuartigen Coronavirus in Kliniken deutlich reduzieren. Als besonders effiziente Maßnahmen identifizierten die Autoren das generelle Tragen von Masken auf Seiten des Personal und der Patienten sowie ein spezifisches RT-PCR-Protokoll.

Asymptomatische Patienten eine Herausforderung

Die Angst vor einer Ansteckung mit den neuartigen Coronaviren führte bei vielen potenziellen Patienten dazu, eine medizinisch indizierte stationäre Behandlung aufzuschieben. Ein erheblicher Anteil von Patienten mit COVID-19 ist prä- oder asymptomatisch, dabei jedoch hochansteckend. Diese Eigenschaft des neuartigen Coronavirus erschwert es, positive Patienten frühestmöglich zu detektieren und potenzielle Infektionsketten zu unterbrechen. Dass umfangreiche Hygiene-, Isolations- und Testmaßnahmen nosokomiale Infektionen mit SARS-CoV-2 nahezu ausschließen können, zeigt eine neue Studie aus dem Brigham and Women's Hospital in Boston, Massachusetts. Die kontrollierte Beobachtungsstudie fand während der regionalen Hochphase der Pandemie im Zeitraum zwischen März und Juni 2020 statt.

Kaum nosokomiale Übertragung

Von den 697 im Klinikum diagnostizierten COVID-19-Fällen bestand in drei Fällen ein Verdacht auf eine nosokomiale Übertragung. Die eine Person war vermutlich zuvor von ihrem Ehepartner infiziert worden. Die andere infizierte sich vor der Implementierung des generellen Tragens von Masken und vor der Limitierung der Besucherzahlen. Ein weiterer Patient entwickelte Symptome vier Tage nach einem 16-tägigen Krankenhausaufenthalt, ohne in der Klinik mit COVID-19 in Kontakt gekommen zu sein.

 

Effizientes Infektionspräventions-Programm

Das Infektionskontrollprogramm entwickelte sich während der Studienzeit und etablierte sich schließlich mit folgenden Maßnahmen:

Standardprotokoll COVID-19-Stationen

  • Etablierung dezidierter COVID-19-Stationen und -Intensivstationen

  • Standardisierte Protokolle für die klinische Versorgung, Infektionskontrolle einschließlich Desinfektion, Einsatz der PSA: N95-Atemschutzmasken, Augenschutz, Kittel, Handschuhe

  • Regulierung des Luftsroms zu besseren Ablüftung

 

Standardprotokol für RT-PCR-Tests

  • Aufnahme-RT-PCR-Tests für alle symptomatischen und asymptomatischen Patienten

  • Asymptomatische Patienten: Bei Aufnahme war ein negatives Testergebnis obligatorisch

  • Tägliches Pflege-Screening-Protokoll über mögliche COVID-19-Symptome wurde in das elektronische Patientendatensystem implementiert. Wenn die Patienten positiv waren, wurde ein Best-Practice-Alarm ausgelöst, der einen RT-PCR-Test für das Personal mit Patientenkontakt empfahl

  • Alle Mitarbeiter mussten vor der Arbeit online bestätigen, dass keine Symptome vorliegen, die mit COVID-19 übereinstimmen

  • Alle Mitarbeiter mit Symptomen durften nicht arbeiten und wurden für einen SARS-CoV-2 RT-PCR-Test und eine arbeitsmedizinische Beurteilung überwiesen

 

Standards für den Einsatz der Persönlichen Schutzausrüstung

  • Umstellung vom Mund-Nasen-Schutz auf generelles Tragen einer mit N95-Maske in allen Bereichen des Krankenhauses

  • Augenschutz für Mitarbeiter bei Kontakt mit Patienten, die keine Maske tragen konnten, selbst wenn der Patient bei der Aufnahme negativ auf SARS-CoV-2 getestet worden war

  • Besucher, die das Krankenhaus betreten durften, waren verpflichtet, jederzeit Masken zu tragen

  • Alle Patienten, die sich in der Notaufnahme vorstellten, trugen bei ihrer Ankunft ebenfalls Mund-Nasen-Schutz. Sobald die Patienten in einer stationären Einheit untergebracht waren, durften sie den Mund-Nasen-Schutz abnehmen, wurden aber gebeten, ihn bei Begegnungen mit Mitarbeitern des Gesundheitswesens und außerhalb ihrer Räume wieder zu tragen

  • Augenschutz für das Personal auch bei negativ auf SARS-CoV-2 getesteten Patienten, die keinen Mund-Nasen-Schutz tragen konnten

  • Beobachtungen und Training zum Tragen der Persönlichen Schutzausrüstung

 

Standards für die Aufhebung der Isolation

  • Zwei negative RT-PCR-Testergebnisse aus Nasen-Rachen-Abstrichproben, die mehr als 12 Stunden auseinanderlagen

  • Ein negatives Testergebnis, wenn eine alternative Diagnose auftauchte

  • Bei Patienten mit produktivem Husten oder benötigter mechanischer Beatmung musste mindestens einer der beiden negativen Tests das Ergebnis einer Probe aus dem unteren Respirationstrakt sein

 

Fazit:

Konsequente Test-, Isolier- und Hygienemaßnahme stellen auch unter den besonderen Herausforderungen der COVID-19-Pandemie den Schutz von Patienten und dem Personal sicher. Voraussetzung: Klare Standard-Protokolle, Trainings, ausreichende Verfügbarkeit der benötigten Schutzausrüstung und Testmöglichkeiten.

 

Quelle:

Rhee C et al. Incidence of Nosocomial COVID-19 in Patients Hospitalized at a Large US Academic Medical Center. JAMA Network Open. 2020;3(9):e2020498, https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2770287 (Letzter Zugriff am 14.09.2020).

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22.07.2020
Koinfektionen bei COVID-19

Risiko durch schlechte Mundhygiene

22.07.2020Hygienemanagement // Mundhygiene

Risiko durch schlechte Mundhygiene

COVID-19-Patienten haben ein erhöhtes Risiko, an bakteriellen Koinfektionen zu erkranken. Auslöser können u.a. orale Bakterien sein, die sich in der Mundhöhle ansammeln.

Von dort können sie sich in andere Körperbereiche verbreiten und Infektionen verursachen. Gefährdet sind vor allem ältere Menschen. Um dem vorzubeugen, ist es wichtig, eine sorgfältige Mundhygiene zu betreiben.

Virusinfektionen der Atemwege machen Patienten anfälliger für bakterielle Koinfektionen. [1] Die Koinfektionen führen wiederum zu erhöhter Krankheitsschwere und Sterblichkeit. So zeigt eine chinesische Studie, dass in der Coronavirus-Pandemie 50 % der verstorbenen COVID-19-Patienten zugleich sekundäre bakterielle Infektionen aufwiesen. [2] Eine weitere chinesische Studie konnte sowohl bakterielle als auch Pilz-Koinfektionen nachweisen. [3]

Orale Bakterien als Auslöser von Koinfektionen

Begünstigt wird die Entstehung von Koinfektionen bei COVID-19-Patienten durch orale Bakterien, die sich im Körper verbreiten. Analysen des genomischen Materials von Patienten mit SARS-CoV-2 haben hohe Werte von kariogenen und parodontalpathogenen Bakterien belegt. Das bestätigt die Auffassung, dass zwischen dem oralen Mikrobiom und Komplikationen bei COVID-19 ein Zusammenhang besteht. [4]

Zudem gibt es Hinweise darauf, dass parodontalpathogene Bakterien an der Entstehung und Entwicklung respiratorischer Krankheiten beteiligt sind, die mit COVID 19 einhergehen. Diese Bakterien stehen überdies in Verbindung mit chronisch-entzündlichen Systemerkrankungen einschließlich Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dabei sind diese Krankheiten häufig auftretende Begleiterkrankungen, die das Risiko für schwere Komplikationen und Tod bei COVID-19 erhöhen. [4]

Mundhygiene vor allem für Ältere wichtig

Demgegenüber belegen andere Studien, dass sich mit einer verbesserten Mundhygiene bei Patienten, die an Lungenentzündungen litten, die klinischen Ergebnisse erheblich verbessern und die Sterblichkeit verringert haben. [5] Einer von zehn pneumoniebedingten Todesfällen älterer Pflegeheimbewohner ab 65 Jahren gilt als vermeidbar durch eine verbesserte Mundhygiene. [6]

Fazit: Diese Zusammenhänge verdeutlichen, wie wichtig eine gründliche Mundhygiene für die Infektionsprävention ist. Insbesondere für ältere Patienten und Bewohnern in Pflegeeinrichtungen ist eine gute Mundhygiene unerlässlich, um Keime in der Mundhöhle zu reduzieren und die Verbreitung von oralen Bakterien in andere Körperbereiche zu verhindern.

Quellen:

1. Cox M J et al. Co-infections: potentially lethal and unexplored in COVID-19, Correspondence.
www.thelancet.com/microbe Vol 1 May 2020.

2. Zhou F. et al. Clinical course and risk factors for mortality of adult inpatients with COVID-19 in Wuhan, China: a retrospective cohort study. Lancet 2020; 395: 1054–62.

3. Chen N et al. Epidemiological and clinical characteristics of 99 cases of 2019 novel coronavirus pneumonia in Wuhan, China: a descriptive study. Lancet 2020; 395: 507–13.

4. Patel J / Sampson V The role of oral bacteria in COVID 19, Correspondence. www.thelancet.com/microbe Vol 1 July 2020.

5. Manger D et al. Evidence summary: the relationship between oral health and pulmonary disease. Br Dent J 2017; 222: 527–33.

6. Sjögren P et al. A systematic review of the preventive effect of oral hygiene on pneumonia and respiratory tract infection in elderly people in hospitals and nursing homes: effect estimates and methodological quality of randomized controlled trials. J Am Geriatr Soc 2008; 56: 2124–30.

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FAQ

FAQ

Müssen Flächendesinfektionsmittel für den Einsatz bei COVID-19 bestimmte Wirkstoffkonzentrationen enthalten?

Nein. Entscheidend für die sichere Inaktivierung von behüllten Viren wie SARS-CoV-2 ist eine nachgewiesene "begrenzt viruzide" Wirksamkeit. Der Nachweis auf Basis von Prüfmethoden nach der Deutschen Vereinigung zur Bekämpfung der Viruskrankheiten (DVV) oder der EN 14476 bzw. der EN 16 777 (bei Produkten ohne Mechanik/Sprühdesinfektion) belegt, dass diese Flächendesinfektionsmittel unter den geprüften Standardbedingungen die Viren um mindestens 4 log-10-Stufen reduzieren. Dabei bleiben von 1 Million Viruspartikeln noch maximal 100 übrig. Auch das Robert Koch-Institut empfiehlt den Einsatz von begrenzt viruziden Produkten bei COVID-19.

Die erforderliche Wirksamkeit erreichen alle entsprechend gekennzeichneten verkehrsfähigen Produkte. Die Rezepturen und Wirkstoffgemische können dabei sehr unterschiedlich sein und auch unterschiedliche Wirkstoffkonzentrationen enthalten.

Wenn statt verkehrsfähiger Produkte reine Wirkstoff-Lösungen in den Einsatz gelangen, wurden bestimmte Konzentrationen als notwendig ermittelt. Das zeigt ein Review, das 22 Studien auswertete. In diesen Studien waren überwiegend reine Wirkstoffe in wässriger Lösung und keine verkehrsfähigen Produkte zum Einsatz gekommen. Bei den in den untersuchten Studien genannten Alkoholen waren keine mit niedrigerem oder mittlerem Wirkstoffgehalt vertreten, sodass über deren Wirksamkeit gegenüber Coronaviren keine Aussage gemacht werden konnte. Vor diesem Hintergrund kam das deutsche Forscherteam zu dem Ergebnis, dass beim Einsatz reiner Wirkstoff-Lösungen folgende Konzentrationen eingesetzt werden müssen, um innerhalb einer Minute Coronaviren zu inaktivieren: Ethanol: 62-71 %, Wasserstoffperoxid: 0,5 % oder Natriumhypochlorit 0,1 %. Andere Wirkstoffe wie 0,05-0,2 % Benzalkoniumchlorid oder 0,02 % Chlorhexidindigluconat waren in den Studien weniger wirksam.

Fazit: Das Studienreview erlaubt keinen Rückschluss auf am Markt befindliche Produkte: Im Markt erhältliche Desinfektionsmittel sind häufig deutlich komplexer formuliert als reine Wirkstofflösungen in Wasser und sind auf die jeweiligen Anwendungsbedingungen optimiert. In bestimmten Rezepturen können z. B. auch geringe Mengen von Benzalkoniumchlorid enthalten sein und das Produkt ist dennoch aufgrund der gesamten Formulierung wirksam. Entscheidend für die Eignung eines verkehrsfähigen Flächendesinfektionsmittels zur Inaktivierung von SARS-CoV-2 ist daher nicht ein vorgegebener Wirkstoffgehalt, sondern immer der durch aktuelle Prüfmethoden und Normen dokumentierte Nachweis der begrenzten Viruzidie.

Quellen:

Empfehlungen des RKI zu Hygienemaßnahmen im Rahmen der Behandlung und Pflege von Patienten mit einer Infektion durch SARS-CoV-2. Stand 1.4.2020. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Hygiene.html (Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Kampf G, Todt D, Pfaender S, Steinmann E: Persistence of coronaviruses on inanimate surfaces and its inactivation with biocidal agents. J Hosp Infect 104 (2020) pp 246-251. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0195670120300463?via%3Dihub (Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Was ist bei Einsatz und Aufbereitung von Medizinprodukten mit direktem Kontakt zum COVID-19-Patienten zu beachten?

Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt alle Medizinprodukte, wie z. B. Stethoskope oder Elektroden, mit direktem Kontakt zu COVID-19-Patienten immer patientenbezogen einzusetzen.

Nach der Nutzung sind die Medizinprodukte zu desinfizieren. Beim Transport sollte darauf geachtet werden, dass die Transportbehältnisse geschlossen und außen desinfiziert sind. Zur Aufbereitung der Medizinprodukte sind bevorzugt thermische Desinfektionsverfahren anzuwenden. So bieten die thermischen Verfahren in Reinigungs- und Desinfektionsgeräten laut RKI eine zuverlässigere Wirksamkeit, wie z. B. eine geringere Beeinträchtigung durch Restverschmutzungen.

Falls thermische Verfahren nicht möglich sind, empfiehlt das RKI den Einsatz von Desinfektionsmitteln mit nachweislich mindestens begrenzt viruzider Wirksamkeit.

Quellen:

Robert Koch-Institut, Empfehlungen des RKI zu Hygienemaßnahmen im Rahmen der Behandlung und Pflege von Patienten mit einer Infektion durch SARS-CoV-2, Stand 01.04.2020.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Hygiene.html ( Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Robert Koch-Institut, Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten, 1. Oktober 2012.
https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Kommission/Downloads/Medprod_Rili_2012.html (Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Wie können Wäsche und Textilien von COVID-19-Patienten sicher aufbereitet werden?

Wäsche und Textilien von COVID-19-Patienten können nach den Empfehlungen des Robert Koch-Instituts mit einem desinfizierenden Wäschedesinfektionsverfahren gemäß RKI-Liste sicher aufbereitet werden.
In der Liste sind die unterschiedlichen Verfahren und Wirkstoffe beschrieben wie beispielsweise die erforderlichen Konzentrationen von Desinfektions- und Waschmitteln sowie Flottenverhältnis, Temperatur und Einwirkzeit. Zu beachten ist, dass die dafür eingesetzten Waschmaschinen die geforderten Parameter auch einhalten können. Das setzt voraus, dass die Waschmaschinen gemäß der Bedienungsanweisung betrieben, regelmäßig gewartet und auf ihre Funktionstüchtigkeit überprüft werden.
Als Taschentücher sollten bei COVID-19-Patienten Einwegtücher verwendet werden. In Bezug auf Betten und Matratzen werden wischdesinfizierbare Überzüge empfohlen.

Quellen:
RKI. Liste der vom Robert Koch-Institut geprüften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren. Stand: 31. Oktober 2017 (17. Ausgabe). https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/Krankenhaushygiene/Desinfektionsmittel/Downloads/BGBl_60_2017_Desinfektionsmittelliste.pdf (Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Empfehlungen des RKI zu Hygienemaßnahmen im Rahmen der Behandlung und Pflege von Patienten mit einer Infektion durch SARS-CoV 2.
https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Hygiene.html (Letzter Zugriff am 07.04.2020)

Welche Kriterien sind bei Besuchsregelungen während COVID-19 in Alten- und Pflegeeinrichtungen zu beachten?

Grundsätzlich gilt: Ob und unter welchen Bedingungen eine Einrichtung Besuche zulässt, entscheidet die Einrichtung abhängig von der lokalen Situation, ggf. in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt.

Folgende Aspekte sind dabei generell zu berücksichtigen:

  • Soziale Kontakte sollten nicht über persönliche Besuche, sondern möglichst über Telekommunikation, wie z. B. Telefon, wahrgenommen werden.
  • Personen, die Anzeichen einer Erkältung zeigen, sollten der Einrichtung fernbleiben. Gleiches gilt für Kontaktpersonen von COVID-19-Infizierten.
  • Lässt eine Einrichtung Besuche zu, muss jeder Besuch registriert werden (Besuchername, Besuchsdatum, Name des besuchten Bewohners). Zudem sollte der Besuch zeitlich auf ein Minimum begrenzt sein und die Besucher über die erforderlichen Schutzmaßnahmen informiert werden. Dazu gehören die Einhaltung eines Mindestabstands von 1,5 bis 2 Metern zum Bewohner, das Tragen von Schutzkittel und Mund-Nasen-Schutz sowie das Desinfizieren der Hände beim Verlassend des Bewohnerzimmers.

Quelle:
Robert Koch-Institut, Prävention und Management von COVID-19 in Alten- und Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen, Empfehlungen für Alten- und Pflegeeinrichtungen und Einrichtungen für Menschen mit Beeinträchtigungen sowie für den öffentlichen Gesundheitsdienst, Stand: 14.04.2020. https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Alten_Pflegeeinrichtung_Empfehlung.pdf?__blob=publicationFile

24.09.2020
Umfrage zu COVID-19

Pflegekräfte fühlen sich stärker belastet als Ärzte

24.09.2020Publikationen // Personalschutz

Pflegekräfte fühlen sich stärker belastet als Ärzte

Eine landesweite Umfrage unter 3.669 Klinikmitarbeitern zeigt, dass deutsche Pflegekräfte im Vergleich mit Ärzten und anderen Gesundheitsmitarbeitern stärker unter den Herausforderungen der Corona-Pandemie leiden. Höhere Stressniveaus und subjektive Belastung sowie eine geringere Arbeitszufriedenheit wurden am häufigsten beklagt.

Zwischen dem 15. April und 1. Mai 2020 erfasste eine landesweite anonyme Online-Umfrage der Universitätsklinik München (LMU) die subjektive Belastung durch COVID-19 bei deutschen Gesundheitsmitarbeitenden. In Zusammenarbeit mit 35 Universitätskliniken, weiteren 58 Krankenhäusern der sekundären und tertiären Versorgung sowie psychiatrischen Krankenhäusern konnte mit 3.669 Pflegekräften, Ärzten und anderen, am Point-of-Care Beschäftigten eine große Kohorte befragt werden.

Beantwortet wurden 25 inhaltliche Fragen zu folgenden Schwerpunkten:

  • Subjektive Belastung wie z. B. Stress, Schlafqualität
  • Anzahl der Überstunden
  • Wahrnehmung der Informationspolitik und Strukturmaßnahmen im Krankenhaus
  • Individueller COVID-19-Infektionsstatus
  • Anzahl der Infizierten im Freundes- und Bekanntenkreis

Mehr Ärzt*innen positiv getestet

Bei 2,8% der Befragten lag ein positiver COVID-19-Befund vor. Ärzte (3,6%) und Pflegepersonal (3,1%) wurden mit höherer Wahrscheinlichkeit positiv auf COVID-19 getestet als das übrige Krankenhauspersonal (0,6%).

Befragte, die in einem COVID-19-Umfeld arbeiteten, berichteten über eine stärkere subjektive Belastung und höhere Stresslevel im Vergleich zu anderen Teilnehmenden. Die Arbeit in einem COVID-19-Umfeld verdoppelte die Wahrscheinlichkeit, positiv auf COVID-19 getestet zu werden (4,8% vs. 2,3%). Auch nahm die Schwere der subjektiven Belastung zu.

Pflegekräfte stärker unter Druck

Pflegekräfte berichten zudem über eine zunehmende Arbeitsbelastung, eine geringere Arbeitszufriedenheit und fühlen sich von der Klinik weniger unterstützt als Ärzte und andere Gesundheitsmitarbeiter. Auch empfinden Pflegekräfte den Stress durch die Corona-Pandemie stärker als die anderen Berufsgruppen. Eine Erklärung sehen die Autoren im direkten und über einen längeren Zeitraum andauernden Kontakt mit Patienten (einschließlich COVID-19) und Angehörigen und der damit einhergehenden Konfrontation mit deren Ängsten. Weitere Faktoren, die den Stress verstärken können, wie z. B. der Mangel an Persönlicher Schutzausrüstung, Bedenken hinsichtlich der individuellen Zukunft oder das Gefühl, weniger Kontrolle über die Situation zu haben, erreichten nur eine geringe Signifikanz. Die Autoren sehen darin einen Hinweis auf die hohe Professionalität und persönliche Kompetenz des Pflegepersonals.

COVID-19-Klinikmanagement positiv bewertet

Im Unterschied zu Veröffentlichungen anderer Länder wie z. B. China und Italien blieben negative Auswirkungen der COVID-19-Pandemie auf die subjektive Schlafqualität der Befragten aus. Die Autoren führen dies auf die im Vergleich zu anderen Ländern insgesamt niedrigeren psychischen Belastungen des deutschen Klinikpersonals zurück. Auch die Bewertung der klinikinternen Kommunikation, der Unterstützung des Personals und der Qualität der Patientenversorgung fiel im Gegensatz zu Berichten aus anderen Ländern positiv aus.

Frauen stärker betroffen

Obwohl in der Umfrage keine relevanten Unterschiede in den Reaktionsmustern zwischen Männern und Frauen festgestellt wurden, verweisen die Autoren der Studie auf eine kürzlich durchgeführte Meta-Analyse von 13 Studien (12 Studien in China und eine in Singapur) mit insgesamt 33.062 Teilnehmer*innen, die zeigte, dass weibliche Pflegekräfte während des Ausbruch von COVID-19 stärker unter psychischen Beschwerden wie Niedergeschlagenheit, Gleichgültigkeit und Antriebsschwäche litten.


Fazit: Pflegekräfte, insbesondere weibliche, fühlen sich in der aktuellen Corona-Pandemie stärker subjektiv belastet als andere Berufsgruppen. Die Autoren schlagen vor, mit speziellen, auf die Pflegekräfte zugeschnittenen Unterstützungsangeboten Stress vorzubeugen. Insgesamt zeigt die Studie jedoch eine im Vergleich mit anderen Ländern geringere psychische Beeinträchtigung des deutschen Klinikpersonals. Die Autoren führen dieses Ergebnis u. a. auf den bislang weniger dramatischen Verlauf der Corona-Pandemie zurück.

Quellen:

Kramer V et al. (2020) Subjective burden and perspectives of German healthcare workers during the COVID‑19 pandemic. European Archives of Psychiatry and Clinical Neuroscience 1 July 2020 / Accepted: 7 August 2020. Neuroscience. https://doi.org/10.1007/s00406-020-01183-2

Pappa S et al. (2020) Prevalence of depression, anxiety, and insomnia among healthcare workers during the COVID-19 pandemic: a systematic review and meta-analysis. Brain Behav Immun. https://doi.org/10.1016/j.bbi.2020.05.026

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22.07.2020
COVID-19-Prävention

Pflegekräfte berichten über Hautprobleme

22.07.2020Hygienemanagement // Personalschutz

Pflegekräfte berichten über Hautprobleme

Berufsbedingte Hauterkrankungen sind im Gesundheitsdienst weit verbreitet. Zwischen 20 und  30 Prozent aller Beschäftigten in der Patienten- und Altenpflege entwickelt sogar ein Handekzem [1]. Hauptursache ist die so genannte Feuchtarbeit. Zu langes Handschuhtragen und häufiger Kontakt mit Wasser und Seife gefährden die natürliche Hautbarriere und führen zu Hautschäden an den Händen. In Zeiten von Corona zeigt sich nun, dass die Hauterkrankungen zunehmen. Betroffen sind nicht nur die Hände, sondern auch Gesichtspartien wie Nasenrücken, Wangen und Stirn.

Nasenrücken besonders häufig betroffen

Eine Studie an einem Krankenhaus der Tertiärversorung im chinesischen Hubei mit über 500 Pflegekräften [2] kommt zu dem Schluss, dass auch das Tragen verschiedener Atemschutz-Masken Spuren auf der Haut von Pflegekräften hinterlässt. Einer Fragebogenauswertung zufolge waren 97 Prozent der Befragten, die COVID-19-Patienten versorgte, von Hautproblemen betroffen. Als häufigste Symptome wurden Spannungsgefühl, Trockenheit, Abschuppung und Rötungen genannt. Knapp 70 Prozent beklagten Hautschäden auf dem Nasenrücken durch das Tragen von FFP2-Masken. Die Zahl derjenigen, die Hautschäden auf dem Nasenrücken verzeichneten, nahm deutlich zu, wenn die FFP2-Masken länger als 6 Stunden getragen wurde und erhöhte sich auf 81,1 Prozent.

Tragedauer unter 6 Stunden empfohlen

Über die Hälfte der Studienteilnehmer beklagten Hautirritationen an der Stirn, ausgelöst durch das Tragen eines Schutzvisiers. Die Zahl der Betroffenen erhöhte sich um 10 Prozent, wurden die Schutzschilder  länger als 6 Stunden getragen. Lediglich bei Handschuhen zeigte sich kein Unterschied zwischen dem Ausmaß der Hautirritation und der Tragedauer: Auch nach 6 Stunden waren die Hautirritationen durch Handschuhe nicht wesentlich höher als bei einer geringeren Tragedauer, lagen dafür aber auf einem insgesamt hohen Niveau von 76 Prozent.

Hautschäden vorbeugen

Händehygiene als Ursache für Hautirritationen wurde von 60 Prozent genannt, wenn Sie bis zu zehn Mal eine Händehygienegelegenheit wahrnahmen. Mehr als 10 Händehygienegelegenheiten führten zu fast 80 Prozent zu Hautirritationen. In der Studie wurde nicht erwähnt, mit welchen Produkten die Händehygiene durchgeführt wurde. Zur Prävention von Hautirritationen auf dem Nasenrücken verweisen die Autoren auf eine andere Studie, in der positive Erfahrungen mit vorbeugendem Einsatz von Hydrokolloidverbänden gemacht wurden.

Fazit:

Eine Barrierepflege mit Atemschutzmasken, ggfs. Schutzvisieren und einer konsequenten Händehygiene sind für die Prävention von SARS-CoV-2 Übertragungen während der Versorgung von COVID-19-Patienten unverzichtbar. Pflegekräfte sollten die Masken möglichst nicht länger als 6 Stunden tragen.  Die Schutzwirkung von FFP2-Masken liegt bei maximal 8 Stunden. Diese Tragedauer bei FFP2-Masken sollte nur bei Verknappung und in Notfällen ausgeschöpft werden.

Robert Koch-Institut [3] und die AKTION Saubere Hände [4] empfehlen, bei Händedesinfektionsmitteln besonderen Wert auf die Hautverträglichkeit zu legen. Bei umfassend begutachteten Produkten, z. B. durch eine VAH-Zertifizierung ist diese meist gegeben. Händedesinfektionsmittel auf Basis der Allgemeinverfügung nach Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) verfügen hingegen nicht alle über ausreichende Pflegeeigenschaften und damit über eine ausreichende Hautverträglichkeit.

Quellen:

1. Skudlik C, Dulon M, Wendeler D, John SM, Nienhaus A.
Hand Eczema in Geriatric Nurses in Germany – Prevalence and Risk Factors.
Contact Dermatitis, accepted 22. Oct. 2008

2. Juan Tao. Skin damage among health care workers managing coronavirus disease-2019. Research Letter. J AM ACAD DERMATOL, Mai 2020, Volume 82, No. 5.

3. Robert Koch-Institut. Händehygiene in Einrichtungen des Gesund­heits­wesens (2016). www.rki.de. (Letzter Zugriff 21.07.2020)

4. Wissenschaftlicher Beirat der AKTION Saubere Hände. Positionspapier Verträglichkeit von Händedesinfektionsmitteln. November 2010. Letzter Zugriff 21.07.2020)

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24.06.2020
SARS-CoV-2 auf Flächen

Pager und Telefone häufig besiedelt

24.06.2020Hygienemanagement // Flächenhygiene

Pager und Telefone häufig besiedelt

In welchem Ausmaß Bereiche und Flächen in Krankenhäusern mit SARS-CoV-2 kontaminiert sind, wurde in einer Studie des Universitätsklinikums Wuhan (China) untersucht. Demnach sind auf Oberflächen in Bereichen, in denen COVID-19-Patienten behandelt und betreut werden, häufig SARS-CoV-2-Viren nachweisbar.

Medizinische Bereiche in dem für COVID-19-Patienten vorgesehenen Krankenhaus wie klinisches Labor, Isolier- und Intensivstationen waren mit knapp 25 % deutlich stärker betroffen als Aufenthaltsbereiche und Verwaltungsabteilungen mit 4 %. In der allgemeinen Isolierstation waren knapp 25 % der getesteten Umweltproben positiv und in der Intensivstation 37,5 %.

Vor allem auf häufig berührten Flächen, wie z. B. Telefonen, Pagern und Computertastaturen, konnte der Erreger verstärkt nachgewiesen werden.

Diese Ergebnisse unterstreichen, wie wichtig eine sorgfältige Flächen- und Händehygiene sind, um die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus zu verhindern.

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Quelle:
Wu S et al. Environmental contamination by SARS-CoV-2 in a designated hospital for coronavirus disease 2019. American Journal of Infection Control 00 (2020) 1−5. https://doi.org/10.1016/j.ajic.2020.05.003

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28.05.2020
Flächenhygiene bei COVID-19

Mehrmals täglich desinfizieren

28.05.2020Hygienemanagement // Flächenhygiene

Mehrmals täglich desinfizieren

Mit ihrer neuen Interims-Empfehlung zur Flächenhygiene in Zusammenhang mit COVID-19 will die Weltgesundheitsorganisation (WHO) „jegliche Rolle reduzieren die kontaminierte Oberflächen bei einer Übertragung von SARS-CoV-2 spielen könnten“. Oberflächen in Räumen in denen sich Patienten mit vermuteter oder bestätigter COVID-19-Infektion aufhalten, müssen den Experten zufolge mehrmals gereinigt und desinfiziert werden. Dabei kommt es auch auf die Reihenfolge der Desinfektion an.

Welche Rolle mit SARS-Cov-2 kontaminierte Oberflächen bei der Übertragung der neuartigen Lungenerkrankung spielen, ist noch nicht abschließend geklärt. Bisherige Studien, die die Überlebensfähigkeit der neuartigen Coronaviren untersuchten basierten auf experimentellen Untersuchungen und Laborversuchen. Nun belegen Studien zur realen Kontamination von Oberflächen in chinesischen COVID-19-Krankenhäusern und -Laboratorien, dass vor allem häufig berührte Oberflächen ein Übertragungsrisiko darstellen.

Erhöhte Reinigungs-Frequenz

Vor diesem Hintergrund hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine neue Interims-Empfehlung zur Flächenreinigung und -desinfektion in Zusammenhang mit COVID-19 veröffentlicht. Oberflächen in Räumlichkeiten, die in Zusammenhang mit der Versorgung von vermuteten oder nachgewiesenen COVID-19-Patienten stehen sind bis zu dreimal täglich zu reinigen oder zu desinfizieren. Die WHO geht in Ihren Empfehlungen damit über die vom Robert Koch-Institut (RKI) empfohlene tägliche Wischdesinfektion hinaus.



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PDF Download der Bereichsgrafiken


Quelle:
World Health Organization (WHO).
Cleaning and disinfection of environmental surfaces in the context of COVID-19.
Interim guidance 15 May 2020

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